APA - Austria Presse Agentur

Rechnungshof kritisiert überteuerte Corona-Anschaffungen in OÖ

15. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Oberösterreich hat von März bis Mai 2020 für Corona-Schutzausrüstung 76 Millionen Euro ausgegeben. Kärnten und Salzburg haben im Vergleich nur vier bzw. fünf Millionen ausgegeben, Niederösterreich zwölf Millionen. Besonders Aufträge an einen ÖVP-nahen PR-Berater sind im Fokus der Kritik. Die Opposition wittert "Freunderlwirtschaft".

Zehn Tage vor der Landtagswahl kocht die Causa um millionenschwere Aufträge an einen der ÖVP nahestehenden Unternehmer in Oberösterreich hoch. Das Land soll Corona-Schutzausrüstung zu deutlich überteuerten Preisen angeschafft haben.

Sowohl der interne Revisionsbericht der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG) als auch ein Rohbericht des Rechnungshofes (RH) zeigen auf, dass das Land vergleichsweise viel Geld für medizinische Schutzausrüstung ausgab. Es liege nahe, dass die Schutzartikel zu einem überteuerten Preis angeschafft wurden, berichtet die APA, der beide Berichte vorliegen.

Zum Vergleich: Oberösterreich hat im Zeitraum von März bis Mai 2020 insgesamt 76 Millionen Euro ausgegeben, während Kärnten und Salzburg mit vier bzw. fünf Millionen ausgekommen sind, Niederösterreich hat zwölf Millionen in die Hand genommen. Nur Wien hat mit 82 Millionen ähnliche hohe Summen wie Oberösterreich ausgegeben.

Wirbel um Aufträge für Schutzausrüstung an ÖVP-nahen PR-Berater

Der RH stellt in seinem Rohbericht unter anderem fest, dass sich die Ausgaben der Bundesländer für Schutzausrüstung "erheblich" unterscheiden. So hat auch der interne Revisionsbericht bestätigt, dass es günstigere Angebote als jenes vom ÖVP-nahen PR-Berater gegeben hätte.

Die Causa hat in Oberösterreich im Vorjahr für viel Wirbel gesorgt. Es gab Anzeigen und diverse Prüfungen. Die Gesundheitsholding gab im Juni 2020 an, um insgesamt 70,3 Millionen Euro im Auftrag des Landes Oberösterreich Corona-Schutzausrüstung beschafft zu haben.

4,5 Millionen Euro Liefervolumen entfielen auf die Firma des Kommunikationsberaters. Die Firma des Polit-Netzwerkers wurde erst im April 2020 gegründet, zählte aber zu den Top-Fünf-Lieferanten für Corona-Aufträge des Landes. Allerdings kam der Kontrollausschuss des Landtags Anfang Juli zu dem Schluss, dass "sämtliche Ankäufe durch die Oö. Gesundheitsholding einwandfrei abgelaufen sind". Auch die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen mangels Anfangsverdachts ein.

Darauf wies auch der oö. ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer in einer Stellungnahme hin: "Die Beschaffung von Schutzausrüstung wurde sowohl in der Oberösterreichischen Gesundheitsholding als auch durch die Staatsanwaltschaft Linz in Augenschein genommen, die Rechtmäßigkeit ist zweifach bescheinigt." Er sieht im neuerlichen Hochkochen des Themas den "offensichtlich verzweifelten Versuch bestimmter politischer Kreise, zehn Tage vor der Oberösterreich-Wahl mittels Anpatzen noch irgendwie in Erscheinung zu treten".

Opposition sieht "Freunderlwirtschaft"

Die NEOS orten in der Sache hingegen "Freunderlwirtschaft" in Oberösterreich, man solle sich lieber um die Versorgung der Bevölkerung kümmern: "Wir stecken beim Impfen de facto fest, sind mitten in der vierten Welle und wir haben die meisten Menschen im Land, die gegenüber der Impfung skeptisch sind", so Landessprecher Felix Eypeltauer in einer Pressekonferenz am Mittwoch.

NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker erneuerte die Forderung, dass Tests für Ungeimpfte mittelfristig kostenpflichtig sein müssten und dass man jedem Ungeimpften einen Termin zuweisen solle, damit die bürokratische Hürde der Anmeldung wegfällt.

SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher übte scharfe Kritik an der ÖVP. "Während Hunderttausende Menschen während der Krise um ihren Arbeitsplatz zittern mussten und Existenzängste hatten, machten einige ÖVP-Freunde scheinbar das Geschäft ihres Lebens. Landeshauptmann Stelzer hat massiven Erklärungsbedarf. Er muss sein Schweigen zur Causa beenden und endlich für restlose Aufklärung sorgen."

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos