Trans-Frau Stankovic: Frauen biologisch zu definieren leugnet meine Existenz

20. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Trans-Personen werden öfter ermordet und sind selbstmordgefährdeter, erklärt Trans-Frau Steffi Stankovic in "Pro und Contra Spezial". Bei der Frage, ob man sich sein Geschlecht aussuchen kann, prallten die Ansichten Gäste, neben Stankovic Feministin Krasniqi, Dragqueen Candy Licious, Ex-Politikerin Stenzel und Sexualpsychologe Wahala heftig aufeinander.

"Mann, Frau oder divers - Wer bestimmt die sexuelle Identität?" fragt PULS 24 Infochefin Corinna Milborn in "Pro und Contra Spezial". Ein Thema, das zu heftigen Wortgefechten zwischen Trans-Frau Steffi Stankovic, Drag Queen Candy Licious und Sexualtherapeut Johannes Wahala auf der einen und Feministin Donna Krasniqi und Ex-Politikerin Ursula Stenzel (ÖVP, FPÖ) auf der anderen Seite führt. Milborn muss die Diskussion immer wieder unterbrechen. Die Wogen gehen hoch, "man versteht nicht mehr, was sie sagen".

Steffi Stankovic lebt seit zehn Jahren als Trans-Frau und arbeitet als Make-up Artist. Sie erzählt, wie sie in den 90ern in Serbien vor der Öffentlichkeit verheimlichte, dass sie sich als Frau fühlt und schließlich nach Österreich kam, um eine Geschlechtsangleichung starten zu können. Tans-Personen gebe es seit über 2.000 Jahren, und genauso lange würden sie darum kämpfen, anerkannt zu werden, so Stankovic.

Trans-Personen: Öfter Mordopfer, mehr Selbstmorde

Das lenke von den wirklich wichtigen Diskussionen ab. Trans-Personen seien viermal öfter von Armut betroffen, hätten es überdurchschnittlich oft mit sexualisierter Gewalt zu tun, würden weit öfter ermordet (70 Prozent) und sich auch öfter das Leben (40 Prozent) nehmen. Weltweit würden sie aber nur einen Anteil von ein bis zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Stenzel: Diskriminiert werden Familien

Ex-Politikerin Ursula Stenzel (ÖVP, FPÖ) empfindet die LGBTI-Community hingegen als "geschützte Minderheit", Familien würden in ihren Augen "diskriminiert" werden. Stenzel ist der Meinung, dass man sein Geschlecht "mitbekommt" und deshalb keine Wahlmöglichkeit hätte. Jedes Kind sollte außerdem das Recht auf einen Mann und eine Frau als Eltern haben.

"Hassrede"

PR-Fachfrau und Feministin Donna Krasniqi findet zwar, Geschlechterstereotype gehören aufgebrochen, aber was eine Frau ist, sei biologisch ganz klar definiert. Das könne man auch ihrer Meinung nach nicht einfach wechseln. Trans-Frau Stankovic wirft ihr vor, dass Krasniqi mit dieser Einstellung ihre Existenz leugnet und wirft ihr "Hassrede" vor. "So einfach drüberwischen", könne man über dieses Thema nicht, meint auch Sexualtherapeut Wahala. Manche Menschen würden sich wegen ihrer "falsch erlebten Geschlechtsidentität" aus Verzweiflung das Leben nehmen.

Der europäische Menschenrechtsgerichtshof sieht selbstbestimmte Geschlechtsidentität als fundamentales Menschenrecht, so Sexualpsychologe Wahala. Dem stimmt Candy Licious zu. Es gebe mehr als zwei biologische Geschlechter, sagt die Drag Queen. Dem widerspricht wiederum Krasniqi vehement.

"Veraltete" Stereotype vs. Medien-Propaganda

Stenzel spricht bei diesem Thema von "Verharmlosung" und warnt vor den "Folgen" für Kinder. "Die Folge", so Candy Licious, sei, dass Kinder - wenn man Stenzels Argumentation folge - mit "veralteten" Geschlechter-Stereotypen groß werden und sich dann als Jugendliche und Erwachsene in ihren Körpern nicht wohl fühlen würden. Die Unzufriedenheit bei Kindern käme nur daher, dass die Wahlfreiheit in der Öffentlichkeit propagiert wird, wirft Stenzel umgekehrt den Medien vor.

Ergebnisse des Online-Votings:

Soll es in Österreich erlaubt sein, das Geschlecht ohne medizinischen Befund amtlich ändern zu lassen?

39,13 Prozent stimmten bei dieser Frage im PULS 24 Voting mit "Ja". Weitere 13,04 Prozent stimmten mit "Eher ja" und 39,13 Prozent mit "Eher nein". 8,70 Prozent sind gegen die amtliche Änderung des Geschlechts ohne medizinischen Befund.

Sollen Transfrauen in Profi-Sportarten in der Frauen-Kategorie antreten dürfen?

27,27 Prozent der Online-Voting-Teilnehmer sind für die Teilnahme von Transfrauen in Profi-Sportarten in der Frauen-Kategorie. 22,73 Prozent stimmten mit "Eher ja", 31,82 Prozent mit "Eher nein". 18,18 Prozent sind dagegen.

Braucht es mehr Schulungen für Polizei und Schulpersonal über Transidentität?

50 Prozent der Personen stimmten für mehr Schulungen über Transidentität für die Polizei und Schulpersonal, 40,91 Prozent stimmten mit "Eher ja". Jeweils 4,55 Prozent stimmten mit "Eher nein" und "Nein".

Soll Sexualpädagogik an den Volksschulen auch Transsexualität abdecken?

59,09 Prozent der Stimmen sind für die Behandlung des Themas "Transsexualität" an Volksschulen, während 13,64 Prozent mit "Nein" stimmten. 22,73 Prozent beantworteten die Frage mit "Eher ja" und weitere 4,55 Prozent mit "Eher nein". 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam