Presseclub Concordia: Bundeskanzler legitimiert "Propaganda-Stück"

09. Apr 2021 · Lesedauer 2 min

Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclub Concordia, kritisiert Bundeskanzler Kurz nach seiner Attacke auf den "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk. In Deutschland empfinde man das als "ein bisschen peinlich", uns in Österreich empfiehlt sie, aufzupassen, weil der Samen gesät werde, den Journalismus zu diskreditieren.

Im PULS 24 Interview mit Anchor Werner Sejka spricht Daniela Kraus, die Generalsekretärin des Presseclub Concordia, über die Attacke des Bundeskanzlers auf "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk.

Zur Vorgeschichte: 

Der ÖVP-Blog "Zur Sache" publizierte einen Artikel, in dem Klenk mittels rhetorischer Fragen unterstellt wird, parteiisch zu sein. Es werde ihm unterstellt nicht Journalismus, sondern Oppositionspolitik zu machen. 

"Propaganda-Stück"

Das sei legitim, so Kraus. Denn es sei kein Medium, sondern ein Blog, der vom ÖVP-Parlamentsclub betrieben werde. Problematisch findet sie hingegen, dass der Bundeskanzler den Artikel weiterverbreitet habe. Nicht nur, dass er damit die Reichweite dieses "Propaganda-Stücks" vergrößere, er legitimiere den Text damit auch. Zusätzlich diskreditiere er den "Falter" und dessen Chefredakteur Klenk.

Deutsche Journalisten: plumpe Diskreditierung "peinlich"

Kraus bekomme aus Deutschland - "Zur Sache" greift auch Medien wie den "Spiegel" an - Rückmeldungen von Journalisten-Kollegen, die diese "plumpe Diskreditierung" von Klenk als peinlich empfinden. Es sei auch paradox, dass der Blogeintrag auf journalistische Sorgfalt poche, selbst aber der Sorgfalt entbehre. 

Es würden 13 Fragen in den Raum gestellt werden, deren einziger Zweck sei, dem "Falter" zu unterstellen, unredlich gehandelt zu haben. Auch die Bildmontage erinnere an Jugendliteratur wie bei "Die drei Fragezeichen" und sei kein journalistisches Foto. Die Intention, die mitschwinge sei, "jeder Journalist, jede Journalistin, die die Regierung kritisiert packelt mit der Opposition". Diese teils unterschwelligen und teils ganz offensichtlichen Unterstellungen seien das Problem.

Wenn der Bundeskanzler das mache, gebe das dem Ganzen Glaubwürdigkeit. Der Kanzler ist in Österreich für die Medien zuständig. Es wäre seine Aufgabe, Journalisten zu schützen und nicht, sie zu attackieren. 

"Achtsam sein"

"Wir sollten schon achtsam sein, wie hier die Medienstrategien und der Versuch, unabhängigen, kritischen Journalismus einfach schlecht zu machen, damit die Leute es nicht mehr glauben oder zu zweifeln beginnen, diesen Samen des Zweifels zu säen. Da sollte man schon aufpassen."

Quelle: Redaktion / lam