Präsidentenwahl in Frankreich: Was wird aus Le Pen?

25. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich analysieren die Journalisten Sabine Rau und Christian Ultsch die Ergebnisse. Wie es mit Marine Le Pen nun weitergeht, beurteilen sie unterschiedlich.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Stichwahl am Sonntag gewonnen. Er ist der erste Präsident seit 20 Jahren, der wiedergewählt wurde. Trotz des großen Abstands zwischen Macron zu seiner Herausforderin Marine Le Pen hat diese mehr Stimmen erhalten als vor fünf Jahren.

Politisches System braucht Reformen

Die ARD-Korrespondentin in Paris, Sabine Rau, kann sich nach der dritten Wahlniederlage von Marine Le Pen "nicht vorstellen", dass sie erneut als Spitzenkandidatin bei Wahlen antreten würde. Laut Rau würden sich im Hintergrund bereits viele um ihre Nachfolge bemühen, so auch ihre Nichte, die Le Pen "rechts überholen will". 

Trotz des Sieges von Amtsinhaber Emmanuel Macron zeigt sich für die Korrespondentin, dass es ein "starkes rechtsradikales Lager in Frankreich" gibt, allerdings ist dies keine Mehrheit. Es haben dieses Mal auch viele "unzufriedene Wähler" Le Pen gewählt, die dieser Ideologie nicht entsprechen würden, so Rau.

"Macron muss sich Gedanken machen", wie er das "politische System" - sowohl das Parteiensystem als auch das Wahlsystem - "so reformiert", dass daraus wieder eine "tragfähige, repräsentative Demokratie wird", in welchem sich alle Wählerinnen und Wähler vertreten und gehört fühlen, findet Rau. 

Le Pen mit Volksnähe

Im Gegensatz zur ARD-Korrespondentin Rau, sieht Christian Ultsch, Ressortleiter der Außenpolitik von "Der Presse", dass Le Pen "weitermachen" wird. Dies begründet Ultsch damit, dass Le Pen Stimmen dazugewonnen hat. Le Pen gilt für den Journalisten in Frankreich außerdem als "volksnäher" als der Amtsinhaber - ihr würden bei sozialen Themen höhere Kompetenzen zugesprochen als Macron.

Der Wahlsieg von Macron sei für Ultsch damit zu erklären, dass Frankreich "das geringere Übel gewählt" hat, aber "es ist sicher keine Liebesaffäre mit Macron". Der Präsident gilt laut Ultsch zwar als "abgehoben" und "arrogant". Allerdings gäbe es im Land immer noch eine Mehrheit für "Berechenbarkeit" und "für eine pro-europäische Ausrichtung". Dafür steht laut dem Journalisten Macron.

Quelle: Redaktion / foj