APA - Austria Presse Agentur

Post zahlt Heer geringe Stundensätze für Corona-Einsatz

Mai 27, 2020 · Lesedauer 3 min

Viele Soldaten haben in Österreich während der Coronakrise durch Unterstützungsleistungen geholfen, erst bei Lebensmittel- und Pharmaunternehmen und nun bei Postverteilzentren. Reich belohnt werden sie dafür nicht, berichtet die "Wiener Zeitung". Demnach bekommen die Soldaten vom Heer mindestens 346,62 Euro pro Monat, aber auch die Post zahlt dem Heer geringe Stundenlöhne für den Arbeitseinsatz.

10,20 Euro beträgt der Stundensatz für eine Arbeitsstunde eines Grundwehrdieners in den Postverteilzentren Wien Inzersdorf und Hagenbrunn. Das bestätigte auch Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Mittwoch. Das sei nicht viel, gestand er ein, meinte aber auch: "Es geht ja bei uns nicht darum, Geld zu verdienen. Es geht darum, kritische Infrastruktur aufrecht zu erhalten." Der Tarif für diesen Stundenlohn sei "irgendwann vor 20 Jahren" beschlossen worden, sagte Bauer. Und die Gehaltsgesetze habe nicht das Bundesheer selbst gemacht, fügte er hinzu.

Laut "Wiener Zeitung" muss die Post AG für die Arbeitsstunde eines Grundwehrdieners 10,20 Euro an das Heer überweisen, 23,60 Euro fallen für einen Soldaten im Ausbildungsdienst an. 21 Euro werden für Chargen verrechnet, eine Arbeitsstunde eines Unteroffiziers kostet 34 Euro. Leiharbeitsfirmen wären deutlich teurer.

In einem 17-seitigen Papier des Bundesheeres sei ganz genau aufgelistet, welche Leistung wie viel kostet. Beim Personal sei das sehr aufwendig, sagte Bauer. Schließlich würden hier viele Faktoren, etwa der Ausbildungsgrad, eine Rolle spielen. Die Soldaten bekommen während ihres Corona-Einsatzes jedenfalls ihr ganz normales Gehalt vom Bundesheer, berichtete Bauer.

Der Forderung von Manfred Haidinger, Präsident der Bundesheergewerkschaft, nach einer Verdoppelung des Soldes für Unterstützungsleistungen auf das Niveau eines Assistenzeinsatzes erteilte Bauer eine Absage. Bei Unterstützungsleistungen verrichte man eine Stundenarbeit, danach habe man frei. Das sei mit einem Assistenzeinsatz nicht zu vergleichen, so Bauer. Bei einem solchen sei die Gefahr viel höher, es sei ein Einsatz von 0-24 Uhr. Bei Fehlvergehen könne man den Job verlieren, so Bauer. Das rechtfertige seiner Meinung nach eine doppelte Bezahlung.

Dass das Bundesheer von Handelsbetrieben für den Arbeitseinsatz der Soldaten bisher zehn Millionen Euro erhalten habe, wies Bauer zurück. "Es war knapp unter eine Million Euro", stellte er klar. Der Einsatz bei der Post sei zwar nicht über Gebühr bezahlt, wenn man sich den Stundenlohn anschaue. Das Bundesheer mache jedoch eine Vollkostenrechnung, sagte Bauer. Dazu zählen auch Verpflegung und Ausrüstung der Soldaten und eventueller Materialverbrauch. Grundsätzlich verdiene das Bundesheer pro Jahr "einen einstelligen Millionenbetrag durch Unterstützungsleistungen", sagte Bauer. Und auch wenn noch lange nicht alles abgerechnet sei, könne er sagen: "Heuer wird es sicher mehr."

Quelle: Agenturen