APA/ROLAND SCHLAGER

Corona-Kontrollverlust? Hacker warnt vor Lockdown

26. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Die Regierung verkündet das Aus für die Corona-Quarantäne und will stattdessen Verkehrsbeschränkungen. Mit FFP2-Maske wäre es dann möglich, sich weitgehend frei zu bewegen. In Wien ist man strickt dagegen, wie Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) klar macht. Er befürchtet einen Herbst mit Spitalsüberlastung und Lockdown und ätzt, dass der Bund glaube, es besser zu wissen als die WHO.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) haben für Dienstagnachmittag zur Pressekonferenz zum Quarantäne-Aus geladen. Davor beriet Rauch noch mit den Landesgesundheitsreferenten, darunter auch Hacker.

Spitalsüberlastung im Herbst

Der kritisiert den Bund scharf und befürchtet für den Herbst einen neuen Lockdown. "Das Theater für Herbst und Winter ist vorprogrammiert", meinte der SP-Stadtrat. "Spätestens im September fliegen uns die Zahlen um die Ohren." Es sei zu befürchten, dass im Herbst in einigen Bundesländern die Spitäler wieder überlastet sein werden. Zum Teil sei das jetzt schon der Fall.

"Bilden uns ein, es besser zu wissen"

Hacker verwies auf die Weltgesundheitsorganisation WHO, die die Situation als besorgniserregend eingestuft und zu Maßnahmen aufgefordert habe. Auch Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe vor Lockerungen gewarnt. "Nur wir bilden uns ein, es besser zu wissen", kritisierte Hacker, dass der Bund die Pandemie für beendet erkläre.

Kein Quarantäne-Alleingang Wiens

Er beklagte einmal mehr, dass die drei SPÖ-geführten Bundesländer die Unterlagen erst während der gestrigen Bund-Länder-Runde erhalten haben. "Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße", merkte er an. Ob Wien nun eigene, strengere Maßnahmen trifft, könne man erst sagen, wenn man - in zwei bis drei Tagen - diese Unterlagen durchgearbeitet hat. Dass Wien bei der Quarantäne bleibt, wenn sie der Bund abschafft, schloss Hacker aber wie schon am Vortag Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) aus. Das mache angesichts der rund 300.000 Menschen, die täglich nach Wien pendeln, keinen Sinn. Hacker wehrte sich entschieden gegen den Vorwurf, dass nur Wien die Daten nicht ins Spitalsregister einmelde. Das sei eine "echte Falschmeldung".

Hacker ist am Dienstagabend um 19.55 Uhr zu Gast im Newsroom LIVE auf PULS 24. 

Auch Doskozil gegen schnelle Ende der Quarantäne-Regeln

Auch in Burgenland bestätigt man erneut, dass Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) gegen eine "abrupte Abkehr" von den Quarantäne-Regeln ist. Dafür würden Entscheidungsgrundlagen und Expertenempfehlungen fehlen. Man verwies in Doskozils Büro unter anderem auf den Schutz besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Einen stufenweisen Strategiewechsel hätte sich der Landeshauptmann hingegen vorstellen können.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam