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Parteitag: Kickl nennt Van der Bellen "virtuell am Leben erhalten"

17. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Beim FPÖ-Bundesparteitag in St. Pölten teilte Bundesparteiobmann Herbert Kickl rhetorisch wieder einmal deftig gegen die politischen Gegner aus. Bundespräsident Van der Bellen sei "virtuell am Leben erhalten", das rote Wien "ein Abgrund" und die ÖVP würde "die eigene Bevölkerung zum Opfer machen".

FPÖ-Parteichef Herbert Kickl hat am Samstag in St. Pölten beim 34. ordentlichen Bundesparteitag um Zustimmung für seine Wiederwahl geworben. Er bezeichnete es als "erhabenes Gefühl" auf der Bühne vor den Delegierten zu stehen. Sein Wirken stellte Kickl unter den Überbegriff "Freiheit". Für diese kämpften er und die FPÖ. Der Auftrag der Freiheitlichen Partei sei es, "das Ruder herumzureißen, bevor er zu spät ist". "Das ist unsere Aufgabe und wir werden sie gemeinsam lösen."

"Wenn ihr es heute wollt, werde ich derjenige sein, der mit euch dieses so großartige Österreich in eine echte Normalität führt", so Kickl. "Wir werden die Menschen nicht enttäuschen." Sein Ziel sei es, die FPÖ zu stärken und sie zu einem "bestimmenden Faktor in der österreichische Politik zu machen".

"Busserl" nach Hause

Der FPÖ-Chef wurde in seiner Rede, für die er lange anhaltenden Beifall und Standing Ovations erhielt, auch sehr persönlich und bedankte sich bei allen Mitarbeitern, Funktionären und seiner Familie. "Ich drücke sie ganz fest und ich schicke ihnen ein Busserl", sagte er in Richtung seiner Familie. Ohne sie wäre er tausend Mal gescheitert. "Ich bin dem Herr Gott dankbar für meine Familie. Danke liebe Petra, danke lieber Lukas. Ich liebe euch." Bei seinen persönlichen Mitarbeitern bedankte sich Kickl dafür, dass sie ihn jeden Tag hätscheln und tätscheln. "Ja, es finden sogar Fütterungen statt. (...) Danke, dass ihr es mit mir aushaltet."

Nepp: "Wiener Landesgruppe geschlossen hinter Kickl"

Der Wiener Landesobmann Dominik Nepp beim FPÖ-Bundesparteitag

Für die bevorstehenden Wahlen prognostizierte Kickl Verluste für die ÖVP. Wenn die Niederösterreicher vom Apfel der Erkenntnis kosten, werden sie "die falsche Schlange" aus dem Landtag jagen, sagte er an die Adresse von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die er als "Versagerin" im Innenministerium bezeichnete. "Siehe die Füße, die die Absolute aus dem Landhaus tragen werden, diese Füße sind blau", sagte Kickl in Anlehnung an Apostel Petrus.

"Keinen einzigen Asylantrag mehr annehmen"

Das "rote Wien" bezeichnete der FPÖ-Chef als "letzten Abgrund". Die Österreicher müssten in der Hauptstadt vor den Flüchtlingen flüchten. Syrische Flüchtlinge würden Straßenrennen machen und die Österreicher umbringen, erinnerte Kickl an den tödlicher Autoraser-Unfall in Wien vor wenigen Tagen. Es brauche Widerstand gegen die stetige Migration, sagte Kickl. "Als Freiheitliche würden wir keinen einzigen Asylantrag mehr annehmen. Aus, Schluss, fertig, es geht nicht mehr." Er habe es satt zuzuschauen, "wie die österreichische Bevölkerung zum Opfer gemacht wird".

Schuld daran sei die ÖVP. Würde die ÖVP es ehrlich meinen mit einer strengen Migrationspolitik, könnte sie gar nicht mit den Grünen koalieren. Für die Grünen sei es nämlich geradezu "eine Heldentat, wenn man die eigene Bevölkerung durch den Rost fallen lässt" und Österreich zu einem All-inclusive-Klub für Syrer und Afghanen mache.

Bundespräsident "virtuell am Leben erhalten"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen attestierte er, seine politische Lebenszeit überschritten zu haben. Dieser würde nur mehr "virtuell am Leben erhalten, in echt gibt es den gar nicht mehr". Es wäre besser für das Land, wenn er in Pension ginge. Auch an der Bundesregierung arbeitete sich Kickl ab. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) würde lügen, wenn er den Mund aufmache und habe einen schlechten Charakter. Und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) würde in "Prozente und Promille rechnen", so Kickl.

Durch den Kakao gezogen wurden auch "die Genderei" und "die politische Correctness". Kritik kam erwartungsgemäß auch an der Haltung Österreichs und Europas zum Krieg in der Ukraine.

Die Ukraine sei ein Opfer von Russland und den USA, die Amerikaner würden nämlich in Europa ihre Machtinteressen vorantreiben. Das seien aber nicht die Interessen Europas. Die EU würde sich in den Karren der Vereinigten Staaten einspannen lassen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos