APA/APA/AFP/MOHD RASFAN

Auszählung der Parlamentswahl in Bangladesch läuft

12. Feb. 2026 · Lesedauer 2 min

In Bangladesch hat nach einer als historisch eingestuften Parlamentswahl die Auszählung der Stimmen begonnen. Es ist die erste Abstimmung seit dem Sturz der langjährigen Ministerpräsidentin Sheikh Hasina durch einen Studentenaufstand im Jahr 2024. Die Wahlkommission berichtete am Donnerstag von einer regen Beteiligung. Erste Trends werden gegen Mitternacht erwartet, ein klares Ergebnis dürfte am Freitagmorgen vorliegen.

Bereits am frühen Nachmittag (Ortszeit) hatten fast die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben - mehr als die gesamte Wahlbeteiligung bei der letzten Abstimmung 2024. Als Favorit gilt die Bangladesh Nationalist Party (BNP) unter Führung von Tarique Rahman. Ihr wichtigster Konkurrent ist die islamistische Jamaat-e-Islami unter Shafiqur Rahman. Die Awami League der ins indische Exil geflohenen Ex-Regierungschefin Hasina ist verboten und durfte nicht antreten.

Experten sehen in der Wahl eine entscheidende Weichenstellung für das südasiatische Land mit seinen 175 Millionen Einwohnern. Nach den monatelangen Unruhen, die auch die für die Wirtschaft essenzielle Textilindustrie lahmlegten, liegen die Hoffnungen auf einer stabileren Regierung. Außenpolitisch könnte das Ergebnis eine Annäherung an China und eine Abkühlung der Beziehungen zu Indien bedeuten.

Neben der Parlamentswahl findet eine Volksabstimmung über wegweisende politische Reformen statt. Das umfangreiche Projekt, das als "Juli-Charta" bekannt ist, sieht die zeitliche Beschränkung der Amtszeit des Regierungschefs vor. Zudem sind die Schaffung einer zweiten Parlamentskammer (Oberhaus) und eine größere Unabhängigkeit der Justiz vorgesehen. Laut dem Interims-Regierungschef Muhammad Yunus, Ökonom und für seine Entwicklung eines Systems der Mikrokredite 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, ist das Ziel der Reform, die Rückkehr einer autokratischen Einparteienherrschaft zu verhindern.

Hasina hatte Bangladesch 15 Jahre lang mit harter Hand regiert. Beim gewaltsamen Vorgehen gegen von Studenten angeführte Proteste gegen Hasina waren im Sommer 2024 nach UNO-Angaben rund 1.400 Menschen getötet worden. Hasina floh schließlich im August 2024 per Hubschrauber nach Indien, wo sie untergetaucht ist. Im November wurde Hasina von einem Gericht in Dhaka wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Wahlberechtigt sind rund 127 Millionen Menschen in dem südasiatischen Land, 44 Prozent von ihnen sind jünger als 37. Die Behörden erklärten in Alarmbereitschaft zu sein, nachdem am Dienstag mehrere Wahllokale in Netrokona im Norden des Landes in Brand gesetzt worden waren. Mehr als 300.000 Sicherheitskräfte sollen zur Wahl im Einsatz sein.

Zusammenfassung
  • In Bangladesch läuft nach dem Sturz von Ex-Ministerpräsidentin Sheikh Hasina die Auszählung der Stimmen der ersten Parlamentswahl seit 2024, bei der bereits am frühen Nachmittag fast 50% der rund 127 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt hatten.
  • Favorit ist die Bangladesh Nationalist Party (BNP) unter Tarique Rahman, während die Awami League der ins indische Exil geflohenen Hasina verboten wurde und nicht antreten durfte.
  • Parallel zur Wahl stimmen die Bürger über die ‚Juli-Charta‘ ab, die unter anderem eine Amtszeitbegrenzung für Regierungschefs, die Einführung eines Oberhauses und eine größere Unabhängigkeit der Justiz vorsieht.