Lahodynsky: Nehammer hat Orban "nicht die Leviten gelesen"

28. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Otmar Lahodynsky analysiert im Newsroom LIVE-Interview den Besuch von Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban. Der freie Journalist denkt, Bundeskanzler Karl Nehammer hätte deutlichere Worte zu Orbans Skandalaussagen finden sollen.

Viktor Orban hat bei seinem Besuch in Wien, trotz seiner kürzlich geäußerten rassistischen und antisemitischen Aussagen, einen feierlichen Empfang mit militärischer Ehre erhalten und auch einen milden Bundeskanzler erlebt. Nehammer, der vorab meinte, er würde mit seinem Amtskollegen über dessen Skandalaussagen reden, hat ihm laut Lahodynsky, nicht die "Leviten gelesen". Er hätte ihn deutlicher darauf ansprechen sollen, denn solche Aussagen - "das geht so nicht", meint Lahodynsky.

Orban sei ein "gewiefter Politiker", der in Wien versucht hat, seine Aussagen zu verharmlosen, indem er meinte, er wäre für seine "missverständlichen Formulierungen" bekannt. In Ungarn gäbe es nämlich "null Toleranz" für Rassismus und Antisemitismus.

Orbans zwei Seiten

Während Orban sich in Ungarn als starker Staatsmann zeigt, komme er in der EU-Familie viel mehr wie der "seltsame Onkel" rüber. Obwohl er den Großteil der EU-Sanktionen gegen Russland mitbeschlossen hat, greife er sie in Ungarn massiv an und schicke sogar seinen Außenminister zu Verhandlungen mit Gazprom und Putin. Lahodynsky meint, es gefalle Orban, dass er der "Parier der EU" geworden ist und für die "Unabhängigkeit Ungarns" handle.

Grenzschutz und Pressefreiheit 

Der Journalist gab zudem an, dass er sich gewünscht hätte, dass Nehammer Orban auf die eingeschränkte ungarische Pressefreiheit anspreche. Auch die Thematik der Flüchtlingsbewegung hätte unter mehr Nachdruck geführt werden sollen, anstatt Ungarns Staatschef zu loben und zu sagen, "wie wichtig das ist, dass er die Südgrenze" bewache. Nehammer sei hier in die Rolle des Innenministers zurückgefallen.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz