Offenbar Handywechsel vor Razzia im Bundeskanzleramt

18. Okt 2021 · Lesedauer 2 min

Kurze Zeit vor der Hausdurchsuchung vor zwei Wochen sollen mehrere der Beschuldigten im Bundeskanzleramt die Handys ausgetauscht haben. Ob dies mit der bevorstehenden Hausdurchsuchung zusammenhing, ist unklar.

Gleich mehrere Beschuldigte in der ÖVP-Inseraten-Causa sollen im Zeitraum vor den Hausdurchsuchungen im Kanzleramt am Morgen des 6. Oktobers ihr Handy ausgetauscht haben. Konkret es um den Sprecher von Ex-Kanzler Sebastian Kurz, Johannes Frischmann, sowie den Medienbeauftragten im Kanzleramt Gerald Fleischmann und weitere Mitarbeiter des Kanzleramtes, berichtet der "Standard".

Mehrere Beschuldigte sollen ihre Geräte demnach bei der IT-Abteilung des Kanzleramts ausgetauscht haben. Offiziell bestätigen wollen das dem "Standard" aber weder die WKStA noch das Bundeskanzleramt. Von dort hieß es allerdings: "Die WKStA hat sowohl aktuelle Geräte als auch solche Geräte sichergestellt, die in der Vergangenheit verwendet wurden."

Immer wieder Handytausch

Inwiefern der Handy-Tausch mit der Angst vor einer Hausdurchsuchung zusammenhängt, ist unklar. Dem Vernehmen nach soll der engste Kreis rund um Sebastian Kurz regelmäßig neue Handys erhalten haben.

Auffälligkeiten fanden die Ermittler der WKStA auch bei der Meinungsforscherin Sabine Beinschab. Diese soll bis kurz vor der Hausdurchsuchung in ihrer Wohnung mit Kurz-Sprecher Frischmann in Kontakt gestanden sein. Unmittelbar vor der Razzia löschte sie sämtliche Chats mit Frischmann.

Auffälligkeiten nach ÖVP-Pressekonferenzen

Nach der Pressekonferenz von ÖVP-Vize-Generalsekretärin Gaby Schwarz am 28. September zu angeblichen Journalistenanfragen zu Hausdurchsuchungen soll Beinschab etwa nach "iCloud löschen iPhone 6" gegooglt haben. Von diesem iPhone-Modell wurde bei ihr zwar eine Verpackung gefunden, aber nicht das Gerät selbst.

Am Tag vor den Hausdurchsuchungen hatte ÖVP-Parlamentarier Andreas Hanger in einer weiteren Pressekofnerenz vor "linken Zellen" in der Justiz gewarnt. An jenem Abend begann die Meinungsforscherin damit, Chatverläufe mit mehreren Beschuldigten in der ÖVP-Inseraten-Affäre zu löschen.

Beinschab wurde vergangene Woche wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen. Die WKStA beantragte allerdings keine U-Haft für die Meinungsforscherin. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos