Österreichs Spitzenpolitik bleibt mehrheitlich männlich
Im Nationalrat sind aktuell 65 von 183 Abgeordneten weiblich. Mit dem Abgang der SPÖ-Abgeordneten Elke Hanel-Torsch - die künftige Wiener Stadträtin verabschiedete sich in der letzten Nationalratssitzung - und der Rückkehr von Christoph Matznetter geht die Kurve aber weiter nach unten. Der Frauenanteil im Nationalrat beträgt dann mit 64 Mandatarinnen nur noch 35 Prozent. Zum Vergleich: Anfang 2022 waren es noch mehr als 41 Prozent gewesen.
Die größte Parlamentspartei ist gleichzeitig die mit dem geringsten Frauenanteil. Die FPÖ wird nur zu rund 23 Prozent von Mandatarinnen vertreten. Darauf folgen die ÖVP (35 Prozent) und die SPÖ (aktuell 41 Prozent). Mit Matznetter liegen die Sozialdemokraten nur noch bei 39 Prozent. Damit verliert die SPÖ auch ihren Frauenbonus. Hat ein Klub mehr als 40 Prozent Frauen, erhöht sich die Klubförderung nämlich um drei Prozent. Die Zusatzförderung holen sich sowohl die NEOS (44 Prozent) als auch die Grünen ab. Letztere schicken als einzige mehr Frauen als Männer in den Nationalrat (56 Prozent).
Blickt man auf die letzten 100 Jahre zurück, so hat sich die Repräsentation von Frauen im Nationalrat allerdings deutlich verbessert. Nach der Wahl im Jahr 1920 wurden die ersten neun Mandatarinnen entsandt, die Frauenquote lag bei rund fünf Prozent. Seit der Wahl 1986 ist die Quote zweistellig, wie APA-Berechnungen auf Basis der Daten des Parlaments zeigen. Ganz oben stand allerdings erst 2006 mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) erstmals eine Frau. Im Bundesrat gibt es derzeit 40 Prozent bzw. 24 Frauen.
Wenige Frauen ganz oben
Erste Ministerin war 1966 Grete Rehor (ÖVP). Heute finden sich fast gleich viele Frauen (zehn) und Männer (elf) in der Bundesregierung. Ganz oben anzugelangen, fällt Frauen aber weiterhin schwer. Eine Bundeskanzlerin gab es mit Brigitte Bierlein erst einmal. Sie wurde 2019 nach Zerbrechen der ÖVP-FPÖ-Koalition aufgrund der Ibiza-Affäre Chefin einer Beamtenregierung. Aus einer Nationalratswahl ging noch nie eine Regierung unter einer Frau hervor. Erste - und bisher ebenfalls einzige - Vizekanzlerin wurde 2000 Susanne Riess-Hahn (FPÖ, früher Riess-Passer). Eine Bundespräsidentin gab es überhaupt noch nie.
Seit Mitte des Vorjahres ist Niederösterreichs Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) nicht mehr die einzige Landeshauptfrau. Karoline Edtstadler (ÖVP) amtiert seither in Salzburg, das damit als einziges Bundesland - mit Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) - zwei Frauen an der Spitze hat. Auch in den Landesregierungen hat ein Frauen-Überhang Seltenheitswert. Wiens Regierung besteht - inklusive nicht amtsführender Stadträtinnen und -räte - zu 57 Prozent aus Frauen, in allen anderen acht Bundesländern sind die Männer in der Überzahl. Immerhin zu 40 Prozent weiblich ist die burgenländische Landesregierung; mehr Frauen gibt es in Salzburg (43 Prozent) und Niederösterreich (44 Prozent). Das Schlusslicht bildet Oberösterreich mit 22 Prozent Frauen.
Bürgermeisterinnen-Anteil weiterhin niedrig
Bei den Länderparlamenten findet sich Vorarlberg an der Spitze, das die Hälfte der Bevölkerung auch mit 50 Prozent Frauen im Landtag repräsentiert. In Wien sind es 40 Prozent, in Tirol 39. Am unteren Ende finden sich Kärnten (17 Prozent) sowie das Burgenland und Niederösterreich (je 25 Prozent).
Leicht angestiegen ist die Anzahl der Bürgermeisterinnen und Vizebürgermeisterinnen, bewegt sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau. Bei insgesamt 2.092 Gemeinden in Österreich zählt der Gemeindebund 243 Bürgermeisterinnen (11,6 Prozent, plus 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und 560 Vizebürgermeisterinnen (rund 20 Prozent, plus 12 Prozent). Häufiger sind mit einem Frauenanteil von 27 Prozent Gemeinderätinnen - von ihnen gibt es aktuell 10.600 (plus 6 Prozent).
Zusammenfassung
- Der Frauenanteil im österreichischen Nationalrat ist mit 35 Prozent (64 von 183 Abgeordneten) rückläufig und liegt deutlich unter dem Wert von Anfang 2022, als noch über 41 Prozent Frauen vertreten waren.
- Die aktuelle Bundesregierung ist mit 10 Frauen und 11 Männern nahezu paritätisch besetzt, doch auf den Spitzenpositionen gab es bisher nur eine Bundeskanzlerin und noch nie eine Bundespräsidentin.
- Der Frauenanteil bei Bürgermeisterinnen bleibt mit 11,6 Prozent weiterhin gering, während bei Gemeinderätinnen immerhin 27 Prozent erreicht werden und in Vorarlberg der Landtag zu 50 Prozent weiblich besetzt ist.
