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Tote und Verletzte im russisch besetzten Teil der Ukraine

08. März 2026 · Lesedauer 3 min

Bei einem nächtlichen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Gebäude im russisch besetzten Teil der Region Saporischschja im Süden der Ukraine ist laut den von Russland eingesetzten Behörden eine Frau getötet worden. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden, sagte eine Behördenvertreterin im Bezirk Wassiliwka der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS am Sonntag. Auf einem im Internet veröffentlichten Video war zu sehen, wie Feuerwehrleute einen Brand löschten.

In einem Dorf nahe der Stadt Charkiw in der Nordostukraine wurden bei einem russischen Angriff nach Angaben von Rettungskräften in der Nacht auf Sonntag drei Menschen verletzt. Zunächst sei durch russische Drohnen ein Brand in einem Haus in Welika Babka ausgelöst worden, teilten die Rettungskräfte im Onlinedienst Telegram mit. Anschließend habe das russische Militär mit einer Drohne ein Feuerwehrfahrzeug ins Visier genommen, das zum Löschen des Brandes losgeschickt worden sei. Das Fahrzeug sei zerstört worden.

Die Ukraine traf zudem bei Angriffen im grenznahen, russischen Gebiet Belgorod erneut Energieanlagen und im Gebiet Krasnodar ein Öldepot. In Belgorod berichtete Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow am Sonntag von schweren Schäden an der Energieinfrastruktur und Stromausfällen nach einem ukrainischen Raketenangriff. Es gebe auch Probleme bei der Wasser- und Wärmeversorgung. In Armawir im Gebiet Krasnodar brach in einem Öllager nach einem Drohnenangriff ein Feuer aus.

Eine Fläche von 700 Quadratmetern stehe in Flammen, es gebe keine Verletzten, hieß es. Das russische Verteidigungsministerium teilte in der Früh mit, dass die Flugabwehr 72 ukrainische Drohnen unschädlich gemacht habe. Überprüfbar sind die Angaben von unabhängiger Seite nicht.

Russland finanziert mit Ölverkauf auch die Kriegsmaschinerie

Die Ukraine nimmt in ihrem Abwehrkampf gegen Moskaus vor vier Jahren gestarteten Angriffskrieg insbesondere immer wieder Anlagen der russischen Ölindustrie ins Visier. Erklärtes Ziel Kiews ist es, so Russlands Einnahmen aus dem Energieverkauf zu schmälern. Die Rohstoffgroßmacht finanziert mit dem Ölverkauf auch ihre Kriegsmaschinerie. Der Ukraine gelingen immer wieder Schläge, die die russischen Energie-Anlagen empfindlich treffen.

Die Ukraine meldete ebenfalls neue russische Angriffe mit zwei Raketen vom Typ Iskander und 117 Drohnen. Laut Behörden traf eine Drohne auch einen mit bis zu 200 Passagieren besetzten Zug auf der Strecke Kiew-Sumy. Niemand sei dabei verletzt worden, hieß es.

Militärexperte Gressel zu Raketenproduktion

Der österreichische Militärexperte Gustav Gressel vertrat indes im Gespräch mit der ukrainischen Agentur Ukrinform die Meinung, die europäischen Länder sollten der Ukraine dabei helfen, eine eigene Produktion ballistischer Raketen aufzubauen. Dies würde ihre Fähigkeit, tief in Russland zuzuschlagen, erheblich verbessern. Nach dem Krieg könnte die Ukraine solche Raketen als Abschreckungsmittel herstellen. "Das Wichtigste für die Ukraine ist, über zuverlässige Munition für Angriffe tief in Russland zu verfügen. Ballistische Raketen haben die besten Chancen, die russische Luftabwehr zu durchbrechen. Tatsächlich wäre es ratsam, der Ukraine bei der Entwicklung eigener ballistischer Fähigkeiten zu helfen und solche Raketen in großem Umfang zu produzieren", wurde Gressel zitiert.

In Europa produziere nur die Türkei tatsächlich ballistische Kurzstreckenraketen, und Großbritannien habe gerade erst mit einem eigenen Projekt begonnen. "Hier besteht ein erheblicher Mangel an Kapazitäten. Es wäre sinnvoll, diese Lücke gemeinsam mit der Ukraine zu schließen und nach dem Krieg solche Raketen auch in Europa zu produzieren, als Abschreckung und als Antwort auf die (russischen) Iskander-Raketen", führte der Experte der Landesverteidigungsakademie weiter aus.

Zusammenfassung
  • Bei nächtlichen Angriffen wurden im russisch besetzten Teil der Region Saporischschja eine Frau getötet und mehrere Menschen verletzt, während im Nordosten bei Charkiw drei Menschen durch russische Drohnenangriffe verletzt wurden.
  • Die Ukraine griff erneut russische Energieinfrastruktur an, verursachte in Belgorod Stromausfälle und traf im Gebiet Krasnodar ein Öldepot, wobei eine Fläche von 700 Quadratmetern in Brand geriet und keine Verletzten gemeldet wurden.