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Nord-Stream-Sabotage: Segeljacht "Andromeda" nur ein Ablenkungsmanöver?

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Beamte gehen nun davon aus, dass mehr als ein Schiff an der Sabotage der Erdgaspipelines Nord-Stream im vergangenen September beteiligt gewesen sein könnte.

Nach der Explosion der Nord-Stream-Gaspipelines im vergangenen September konzentrierten sich die deutschen Behörden auf ein 15 Meter langes, gemietetes Segelboot, das offenbar an der Platzierung von Sprengsätzen unter der Oberfläche der Ostsee beteiligt gewesen sein soll. Laut "The Washington Post" sollen die Strafverfolgungsbehörden nach monatelangen Ermittlungen nun vermuten, dass die "Andromeda" nicht das einzige Schiff war, das bei den Angriffen eingesetzt wurde.

War "Andromeda" ein Köder?

Derzeit gehen die Beamten davon aus, dass die "Andromeda" ein Köder gewesen sein soll. Es wird vermutet, dass das Segelboot in See gestochen wurde, um von den wahren Täter:innen abzulenken, die noch auf freiem Fuß sein sollen. Die Beamten, die unter der Leitung des deutsche Generalstaatsanwalts mit den Ermittlungen vertraut sind, würden hoffen, dass die wahre Rolle der "Andromeda" bei den Nord-Stream-Explosionen weitere Einblicke in den Fall bringen und zu den Verantwortlichen führen wird.

Skepsis an bestehender Theorie

Unterdessen meinten US-amerikanische und europäische Beamte, dass sie immer noch nicht mit Sicherheit sagen könnten, wer hinter den Explosionen steht. Die bestehende Theorie, dass eine sechsköpfige Crew auf einem Segelboot hunderte Kilogramm Sprengstoff deponiert haben soll, die schließlich die Nord-Stream-Pipelines lahmgelegt hat, betrachten einige jedoch mit Skepsis. Experten wiesen darauf hin, dass es theoretisch möglich sei, den Sprengstoff von Hand an der Pipeline anzubringen. Es sei jedoch selbst für erfahrene Taucher:innen schwer, über 60 Meter tief in den Meeresboden einzutauchen und schließlich langsam wieder an die Oberfläche zu steigen, damit ihre Körper dekomprimieren können.

Eine solche Mission hätte mehrere Tauchvorgänge erfordert und damit die "Andromeda" der Gefahr ausgesetzt, von anderen Schiffen entdeckt zu werden. Mit ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen oder kleinen U-Booten wäre solch eine Operation leichter durchzuführen und zu verbergen gewesen, so Tauch- und Bergungsexperten, die im Gebiet der Explosionen gearbeitet haben. 

Spuren mit Absicht hinterlassen?

Deutsche Ermittlungen haben ergeben, dass auf der "Andromeda" gefundene Sprengstoffspuren mit dem Sprengstoff, der für die Pipeline verwendet wurde, übereinstimmen. Mehrere Beamte stellen jedoch nun in Frage, ob diese nicht mit Absicht hinterlassen wurden, um die Ermittler auf die falsche Fährte zu bringen.

"Die Frage ist, ob die Geschichte mit dem Segelboot ein Ablenkungsmanöver ist oder nur ein Teil des Bildes", so eine mit den Ermittlungen vertraute Person. Andere halten es wiederum für gut möglich, dass die Täter:innen schlampig gearbeitet haben. 

Hinweise auf ukrainische Beteiligung 

Die Jachtvermietung der "Andromeda" sei unterdessen mit einer polnischen Firma in Verbindung gebracht werden - diese wiederum gehöre einer europäischen Firma, die mit einem "prominenten Ukrainer in Verbindung steht", so "The Washington Post". Die Identität des polnischen Unternehmens, des Ukrainers, sowie mögliche Motive bleiben zurzeit unklar.

Die Vermutung, die Ukraine könnte hinter den Explosionen stecken, beruht zum Teil auf abgefangenen Nachrichten von pro-ukrainischen Personen, die vor der Explosion die Möglichkeit eines Angriffs auf die Pipeline erörterten. Mykhailo Podolyak, ein hochrangiger Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, bestreitet eine Beteiligung vehement. Er frage sich, warum die Ukraine eine Operation durchführen würde, die "die Region destabilisiert und die Aufmerksamkeit vom Krieg ablenkt, was für uns kategorisch nicht von Vorteil ist".

Geheimdienste haben derzeit auch keine eindeutigen Beweise dafür, dass Russland verantwortlich sein könnte.

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  • Beamte gehen nun davon aus, dass mehr als ein Schiff an der Sabotage der Erdgaspipelines Nord-Stream im vergangenen September beteiligt gewesen sein könnte.

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