Nationalrat genehmigte Stabilitätspakt
Auch NEOS-Budgetsprecherin Karin Doppelbauer gratulierte dem Finanzminister, auch wenn sich dieser in Bezug auf die Länder mehr vorstellen hätte können. Als positiv hob sie hervor, dass mit einer nebenbei ausverhandelten Verordnung die Länder mehr Transparenz bezüglich ihrer Zahlen gewährleisten müssten. So habe man endlich wieder stabile Verhältnisse gefunden. SP-Finanzsprecher Jan Krainer hatte davor schon darauf hingewiesen, dass es erst Marterbauer gelungen sei, nach zwei Jahren Verzögerung einen Abschluss zustande zu bringen.
Seitens der Opposition setzte es einige Kritik, die sich allerdings weniger auf den Stabilitätspakt als auf die allgemeine Budgetpolitik der Regierung bezog. So kritisierte der freiheitliche Budgetsprecher Arnold Schiefer, dass wieder ein Doppelbudget geplant ist, wiewohl die relevanten Zahlen noch gar nicht vorlägen. Sein Grüner Kollege Jakob Schwarz vermisste Investitionen in den Klimaschutz.
Marterbauer selbst meinte: "Mit Abschluss des Stabilitätspakts ist ein großer Schritt in der Budget-Konsolidierung gelungen." Die Bundesregierung zeige damit, dass sie mit ihrer schrittweisen Lösung der Probleme erfolgreich sei. Größter Punkt ist für ihn wie für Doppelbauer die Transparenz. Die Länder müssen nämlich nun einzeln (und nicht zusammengefasst) monatlich ihre Budget-Daten abliefern und diese sollen auch einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Der Finanzminister erinnerte daran, dass die Länder im Vorjahr plötzlich ein viel höheres Defizit gemeldet hätten, aber nicht einmal er gewusste habe, auf welches Land das zurückzuführen ist.
Laut dem am Mittwochabend beschlossenen Vertrag, der Länder und Gemeinden gegenüber dem Status quo leicht besser stellt, ist der Bund (inklusive Sozialversicherungen) angehalten, sein Minus von heuer bis 2029 von 3,1 auf 2,1 Prozent zu reduzieren. Den Ländern wird eine Verschuldung von heuer 1,1 Prozent bis 0,7 Prozent im Jahr 2029 zugestanden. Jeweils 20 Prozent dieses erlaubten Defizits müssen sie den Gemeinden einräumen. Ab 2030 sollen sich die Ziele dann an den jeweiligen Fiskalvorgaben der EU orientieren, wobei der Anteil des Bundes bei 76 Prozent, jener der Länder und Gemeinden bei 24 Prozent liegen soll. Sollte die Union aber bei Verfehlen der Ziele finanzielle Sanktionen gegen Österreich verhängen, werden diese innerstaatlich nach dem Verursacherprinzip aufgeteilt.
Zusammenfassung
- Der Nationalrat hat den Stabilitätspakt beschlossen, der die Verschuldungsgrenzen für Bund, Länder und Gemeinden bis 2029 festlegt und ab 2030 an EU-Vorgaben anpasst.
- Der Bund muss sein Defizit von 3,1 Prozent im Jahr 2024 auf 2,1 Prozent bis 2029 senken, während die Länder ihr Minus von 1,1 auf 0,7 Prozent verringern und 20 Prozent davon an die Gemeinden weitergeben müssen.
- Neu ist, dass die Länder ihre Budgetdaten monatlich und einzeln veröffentlichen müssen, was laut Finanzminister Marterbauer und NEOS-Budgetsprecherin Doppelbauer für mehr Transparenz sorgt.
