APA/APA/AFP/ARUN SANKAR

Nach Protesten: Sri Lankas neuer Präsident vereidigt

21. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Im Krisenland Sri Lanka ist Ranil Wickremesinghe als neuer Präsident vereidigt worden. In einer Zeremonie im Parlamentskomplex legte der 73-Jährige am Donnerstag vor dem Präsidenten des obersten Gerichtshofes in der Hauptstadt Colombo seinen Amtseid ab. Um den Komplex herum gab es eine starke Präsenz von Sicherheitskräften, aber keine Proteste.

Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten hatte Wickremesinghe am Vortag zum neuen Präsidenten gewählt. Sein Vorgänger Gotabaya Rajapaksa war vergangene Woche angesichts anhaltender Proteste außer Landes geflohen.

Wickremesinghe begann 1977 seine politische Laufbahn im Parlament und war insgesamt sechs Mal Premierminister. Erste Regierungserfahrungen sammelte er 1978, als ihn sein Onkel, der damalige Präsident Junius Jayewardene, mit 29 Jahren zum jüngsten Minister des Landes ernannte. Er ist ausgebildeter Jurist und stammt aus einer Politikerfamilie. Wickremesinghe gewann die Präsidentschaftswahl gegen einen moderaten Vertreter, der mit der Opposition zusammenarbeiten wollte.

Vergangene Woche wurde er zum geschäftsführenden Präsidenten ernannt, nachdem sich sein Vorgänger Gotabaya Rajapaksa inmitten von massiven Protesten mit seiner Frau in einer Militärmaschine ins Ausland abgesetzt hatte. Die Rajapaksa-Dynastie steht für viele für Freunderlwirtschaft und soziale Ungerechtigkeit. Bei Demonstranten ist Wickremesinghe unbeliebt, weil sie ihn als einen Verbündeten von Rajapaksa halten. Sie haben angekündet, weiter gegen ihn zu protestieren.

Angesichts der schlimmen Wirtschaftskrise hat die Regierung Sri Lankas unter anderem den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie Indien, China, Russland und andere Länder um Hilfe gebeten. Im stark verschuldeten Land mangelt es an Treibstoff, Gas zum Kochen, Medikamenten und Lebensmitteln. Aber es fehlt das Geld, um wichtige Güter zu importieren. Auch die hohe Inflation und stundenlange Stromausfälle sorgen für großen Unmut. Die Gründe für die Krise sind vielfältig - darunter Misswirtschaft und Korruption, aber auch die Folgen der Corona-Pandemie, die vor allem den wichtigen Tourismus-Sektor hart getroffen haben. Wegen der Krise protestieren seit Wochen viele Menschen gegen die politische Führung.

Quelle: Agenturen