APA - Austria Presse Agentur

Nach Festnahmen von Studenten neue Proteste in Weißrussland

01. Sept 2020 · Lesedauer 2 min

Am Dienstag soll in Weißrussland niemand zur Arbeit gehen. Gleichzeitig gründet die Opposition eine neue Partei zur Erneuerung des Landes.

Nach vielen Festnahmen von Studenten haben in Weißrussland (Belarus) erneut Hunderte Menschen gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. In der Hauptstadt Minsk beteiligten sich am Dienstagabend mehrere Hundert Frauen an einem Protestmarsch, wie Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigten.

Die Polizei warnte eindringlich vor einer Teilnahme, schritt aber zunächst nicht ein. Die Sicherheitskräfte hatten während der mehr als dreiwöchigen Proteste meist nur Männer in Gewahrsam genommen.

Außerdem nahmen Uniformierte erneut Medienvertreter in Gewahrsam. Wie das unabhängige Portal tut.by am Abend berichtete, sollen sechs Journalisten über Nacht auf einer Polizeistation bleiben. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Behörden Medienvertretern ihre Akkreditierung entzogen, darunter einem Kamerateam des deutschen ARD-Fernsehens.

Zuvor hatten landesweit Hunderte Studenten zum Beginn des neuen Semesters demonstriert. Das Menschenrechtszentrum Wesna listete bis zum Abend mehr als 40 Festgenommene mit Namen auf. Darunter seien auch Minderjährige gewesen. Videos zeigten, wie die Sicherheitskräfte offenbar wahllos junge Leute festnahmen und sie in Polizeibusse zerrten. Dabei hatten auch Frauen versucht, die Uniformierten davon abzuhalten.

Hintergrund der Proteste ist die Präsidentenwahl vor mehr als drei Wochen. Lukaschenko hatte sich danach mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik.

Unterdessen beklagte die katholische Kirche mehreren Medien zufolge, dass die Staatsführung in Minsk Druck auf sie ausübe. In der vergangenen Wochen waren in einem katholischen Gotteshaus am Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Hauptstadt 40 Minuten lang Menschen von Sicherheitskräften festgehalten worden waren.

Lukaschenko sagte der Staatsagentur Belta zufolge, in Weißrussland würden keine katholischen Kirchen geschlossen. "Wer aber seine Gemeinde in politische Spielchen hineinzieht, muss sich verantworten."

Quelle: Agenturen / spe