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Abtreibung in den USA: Kansas stimmt über Verbot ab, Gewerkschaft zahlt Reisekosten

02. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Seitdem die Rechtsprechung "Roe v. Wade" vom Obersten Gerichtshof für nichtig erklärt wurde, schränken immer mehr Bundesstaaten den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen rigoros ein. Am Dienstag findet beispielsweise in Kansas eine Verfassungsabstimmung statt. Die US-Autor:innengewerkschaft möchte ihren Mitgliedern nun zumindest bei möglichen Reisekosten unter die Arme greifen.

Wie das US-Branchenmagazin "The Hollywood Reporter" am Montag berichtete, entschied sich die Writers Guilde of America (die Gewerkschaft für alle Autorinnen und Autoren in der Film- und TV-Branche), ihren Gesundheitsplan zu überarbeiten.

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, Schwangerschaftsabbrüche wieder komplett in die Kompetenz der Bundessstaaten zu übertragen, hat die Gewerkschaft nun eine neue Leistung eingeführt. Reise- und Unterbringungskosten werden für Teilnehmer:innen abdeckt, die für eine Abtreibung die Staatsgrenzen überschreiten wollen.

Während in den Branchen-Hochburgen New York und Kalifornien relativ liberale Abtreibungsgesetze herrschen, gilt beispielsweise im Bundesstaat Georgia eine sehr restriktive Vorgehensweise. Georgia hat sich in den letzten Jahren als dritter großer Produktionsstandort für TV- und Filmproduktionen etabliert. Dieser Ungleichheit möchte man nun etwas entgegensetzen.

Auch für Familienangehörige 

"Wenn ein Mitglied in einem Staat lebt, in dem Abtreibung weiterhin legal ist, aber in einem Staat arbeitet, der Abtreibung nach der Dobbs-Entscheidung des Obersten Gerichtshofs verboten hat, kann es wählen, ob es für den Eingriff nach Hause fährt oder in den seinem Arbeitsplatz am nächsten gelegenen Staat, in dem Abtreibung weiterhin legal ist", schrieb die Gewerkschaft am Montag in einer E-Mail an die Teilnehmer:innen des Gesundheitsplans. "Wenn ein Mitglied in einem Staat lebt, in dem der Zugang zur Abtreibung jetzt illegal ist, kann sie sich für den Eingriff in dem Staat entscheiden, der ihr am nächsten liegt und in dem die Abtreibung weiterhin legal ist."

In der Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen wird darauf hingewiesen, dass die Leistung sowohl für die Versicherten als auch für die von ihnen abhängigen Ehegatten und Kinder gilt. (Für letztere allerdings nur im Falle eines medizinischen Notfalls.) Die Änderung ist ab Montag wirksam.

Der Krankenversicherungstarif deckt bereits Abtreibungen für Versicherte und deren unterhaltsberechtigte Ehegatten ab. Kinder, die von ihnen abhängig sind, können ebenfalls versichert werden, "wenn der Schwangerschaftsabbruch eine Notfallleistung darstellt".

Konfliktreiche Auseinandersetzung

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs haben zahlreiche (vor allem republikanisch geprägte) Bundesstaaten wie Texas oder Wisconsin bereits lange zuvor vorbereitete "Ersatzgesetze" aktiviert, welche Abtreibungen entweder komplett verbieten, sie verunmöglichen oder restriktiv beschränken.

In einigen anderen Bundesstaaten finden momentan Diskussionen über Änderungen der Gesetzeslage statt. Da im November in den Vereinigten Staaten Wahlen anstehen, sind mehrere Volksabstimmungen angekündigt. In Kansas wird bereits heute über eine Verfassungsänderung abgestimmt, welche auch hier Abtreibung komplett verbieten könnte. Diese Abstimmung gilt gemeinhin als Stimmungstest, wie die Wähler:innen mit dem Thema umgehen. 

Quelle: Redaktion / foj