AFP

Nach Anschlägen: Israel mobilisiert weitere Polizisten und Soldaten

Nach zwei Attentaten mit insgesamt drei Toten hat Israel am Freitagabend die Mobilisierung zusätzlicher Polizisten und Soldaten angekündigt.

Auf der Strandpromenade von Tel Aviv wurde ein italienischer Tourist bei einer Attacke mit einem Auto getötet, sieben weitere Touristen wurden verletzt. Zuvor waren im Westjordanland zwei junge Frauen mit israelischer und britischer Staatsangehörigkeit getötet worden.

"Alle Reserveeinheiten der Grenzpolizei" mobilisieren

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe die Polizei angewiesen, "alle Reserveeinheiten der Grenzpolizei" zu mobilisieren, teilte das Büro des Regierungschefs nach dem Anschlag in Tel Aviv mit, der während des Sabbat und des Pessachfestes verübt wurde. Zudem habe Netanyahu die Armee angewiesen, "zusätzliche Kräfte zu mobilisieren, um den Terroranschlägen entgegenzutreten", erklärte das Büro weiter.

Die Polizei in Tel Aviv sprach von einem" Terroranschlag auf Zivilisten", bei dem ein Fahrzeug als Rammbock eingesetzt worden sei. Der Fahrer sei getötet worden.

Bei dem getöteten Touristen handelte es sich nach Angaben der italienischen Regierung um einen 35-jährigen Römer. Sieben weitere Touristen im Alter zwischen 17 und 74 Jahren wurden laut Polizei und Rettungskräften verletzt. Österreicher befinden sich keine darunter, wie das Außenministerium Samstagfrüh auf Anfrage mitteilt. Nach Angaben eines Krankenhauses in Tel Aviv waren unter den Verletzten drei Briten und ein Italiener.

USA: Israel hat Recht auf Selbstverteidigung

Der italienische Außenminister Antonio Tajani berichtete am Samstag von mindestens zwei verletzten Italienern, deren Zustand besorgniserregend sei. Der getötete Italiener sei erst am Freitagvormittag mit einer Gruppe von Freunden in Tel Aviv angekommen, um dort über Ostern Urlaub zu machen, sagte Tajani in der Früh im öffentlich-rechtlichen TV-Sender Rai. "Der Terrorismus kennt keine Gnade, er muss mit großer Entschlossenheit verurteilt werden", so der italienische Außenminister.

Im von Israel besetzten Westjordanland waren am Freitag zuvor bereits zwei 16 und 20 Jahre alte Schwestern aus der Siedlung Efrat bei einem Schusswaffenangriff getötet worden. Ihre Mutter wurde schwer verletzt. Die israelische Armee erklärte, das Fahrzeug sei von Palästinensern im Norden des Jordantals angegriffen worden. Die Schwestern hatten demnach die israelische und britische Staatsangehörigkeit. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Die USA verurteilten die Attacken "auf unschuldige Zivilisten". Das Außenministerium in Washington hob Israels Recht auf Selbstverteidigung hervor. "Die Vereinigten Staaten stehen an der Seite der israelischen Regierung und des israelischen Volkes", erklärte Ministeriumssprecher Vedant Patel.

Lage massiv verschärft

Die Lage im Nahen Osten hat sich inmitten des jüdischen Pessachfestes und des muslimischen Fastenmonats massiv verschärft. Die Eskalation folgt auf Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei Mitte der Woche an der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, der drittheiligsten Stätte des Islam. Das Judentum verehrt den dortigen Tempelberg als seinen allerheiligsten Ort.

Der Einsatz der israelischen Polizei hatte international Kritik ausgelöst, die im Gazastreifen herrschende Hamas sprach von einem "beispiellosen Verbrechen" Israels während des Ramadan.

Am Donnerstag wurden mindestens 34 Raketen "vom Libanon aus auf israelisches Gebiet abgefeuert" worden, wie die israelische Armee erklärte. Fünf Raketen seien im Norden Israels eingeschlagen, 25 weitere abgefangen worden. Es war die heftigste Eskalation an der Grenze seit der Konfrontation zwischen der radikalislamischen Hisbollah-Miliz und Israel im Libanonkrieg im Jahr 2006.

Israel reagierte mit Angriffen auf Ziele im Libanon und im Gazastreifen, wie die Armee mitteilte. Den Angaben zufolge wurde im Libanon "Infrastruktur" der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas in einer Gegend angegriffen, in der sich auch ein palästinensisches Flüchtlingslager befindet. Die libanesische Armee gab an, im Südlibanon Abschussrampen entdeckt und zerstört zu haben.

Proteste sollen weitergehen

Israel beschuldigte palästinensische Aktivisten, hinter dem Beschuss während des jüdischen Pessachfests zu stecken, bei dem mindestens ein Mensch verletzt wurde. "Wir wissen mit Sicherheit, dass es sich um palästinensisches Feuer handelt", sagte Armeesprecher Richard Hecht. "Es könnte die Hamas sein, es könnte der Islamische Jihad sein, wir versuchen, das herauszufinden - aber es war nicht die Hisbollah."

Am Freitagabend teilte die israelische Armee mit, eine Drohne abgeschossen zu haben, die vom Libanon aus in den eigenen Luftraum eingedrungen sei. Nähere Angaben machte sie zunächst nicht.

Die Proteste in Israel gegen die Politik der rechts-religiösen Regierung sollen trotz der verschärften Sicherheitslage weitergehen. Die wöchentliche Kundgebung in Tel Aviv am Samstagabend werde wie geplant stattfinden, teilten die Veranstalter mit. Ein anschließender Marsch sei jedoch auf Bitten der Polizei abgesagt worden.

ribbon Zusammenfassung
  • Nach zwei Attentaten mit insgesamt drei Toten hat Israel am Freitagabend die Mobilisierung zusätzlicher Polizisten und Soldaten angekündigt.
  • Auf der Strandpromenade von Tel Aviv wurde ein italienischer Tourist bei einer Attacke mit einem Auto getötet, sieben weitere Touristen wurden verletzt.
  • Zuvor waren im Westjordanland zwei junge Frauen mit israelischer und britischer Staatsangehörigkeit getötet worden.