Kristina Timanowskaja
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Schallenberg: Wollten Timanowskaja aufnehmen

03. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Laut Minister Schallenberg hätte man in der Botschaft in Tokio auf die belarussische Olympia-Sprinterin gewartet, doch sie sei nicht aufgetaucht. Stattdessen wandte sie sich an die polnische Botschaft. Das könnte am abwartenden Verhalten der Österreicher gelegen haben.

Am Montag flüchtete sich die belarussische Sprinterin Kristina Timanowskaja in die polnischen Botschaft in Tokio. Davor hätte sie zurück nach Weißrussland gebracht werden sollen, nachdem sie ihre Trainer kritisierte. Am Mittwoch soll sie aus Japan Richtung Polen ausreisen. Das Land hat der Sportlerin ein humanitäres Visum gewährt. 

Schallenberg: "Wir haben sie erwartet"

In der österreichischen Botschaft habe man auf sie gewartet, sagte Außenminister Alexander Schallenberg der "Presse". "Es liegt an ihr, wofür sie sich entscheidet", erklärte der Minister, "Österreich duckt sich nicht weg".

Laut eines Tweets des Journalist Tadeusz Giczan vom Sonntag hatte die Olympionikin erst geplant, in Tokio zu bleiben und die österreichische Botschaft zu kontaktieren. 

Belarussische Athletin Kristina Timanowskaja sucht Asyl

Polen und Tschechien wurden aktiv, als Timanowskaja vor ihrer Ausreise die Polizei am Flughafen von Tokio um Hilfe bat. Die beiden Länder boten der Sportlerin öffentlich Hilfe an. Österreich schwieg. Auch andere Länder ließen von sich hören. Frankreichs Staatssekretär, Clément Beaune bezeichnete es als "Ehre für Europa", Timanowskaja aufzunehmen, Sloweniens Ministerpräsident lud sie per Twitter in sein Land ein. 

Österreich hingegen stellte klar, dass man Asyl nur persönlich und in Österreich beantragen könne. Erst auf Nachfrage der "Presse" hieß es am Montag, dass man bereit sei, ihren Antrag auf ein Visum anzunehmen. 

Zu diesem Zeitpunkt könnte die Sportlerin bereits in der polnischen Botschaft gewesen sein. Pawel Milewski, der polnische Botschafter in Japan twitterte, sich mit ihr bereits am Vormittag österreichischer Zeit dort getroffen zu haben. 

IOC-Untersuchung 

Das Internationale Olympische Komitee hat inzwischen eine förmliche Untersuchung eingeleitet. "Wir müssen alle Tatsachen feststellen und alle Beteiligten anhören, bevor wir weitere Maßnahmen ergreifen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Dienstag. Die Sprinterin aus Belarus war laut der Opposition ihres Landes einer drohenden Entführung aus Japan entkommen.

Das IOC hatte eine Stellungnahme des Belarussischen Olympischen Komitees angefordert, die Frist lief laut Adams am Dienstag ab. Wann das IOC seine Ermittlungen abschließen werde, wollte der IOC-Sprecher nicht sagen. "Diese Dinge brauchen Zeit. Wir müssen der Sache auf den Grund gehen", sagte er. Zuvor hatten Sportlervereinigungen wie Athleten Deutschland und Global Athlete eine Sperre für das NOK von Belarus gefordert.

Timanowskaja fühlt sich "sicher"

Timanowskaja habe dem IOC in mehreren Gesprächen versichert, sie fühle sich "sicher und geschützt", sagte Adams. Die 24-Jährige befinde sich an einem sicheren Ort. Das IOC habe auch das Nationale Olympische Komitee Polens mit der Frage kontaktiert, wie man Timanowskaja in Zukunft unterstützen könne. "Unsere allererste und oberste Priorität ist die Sicherheit der Athleten", sagte Adams. Die Vorgehensweise des IOC solle nicht nur belarussische Sportler, sondern alle Athleten darin bestärken, dass sie beim Dachverband mit ihren Sorgen auf offene Ohren stoßen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam