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Milliardär Peter Thiel hält in Rom Seminare über Apokalypse

Heute, 09:27 · Lesedauer 3 min

Der Tech-Milliardär und Mitgründer von PayPal und Palantir Technologies, Peter Thiel, ist in Rom für eine Reihe privater Seminare in Rom eingetroffen. Die Veranstaltungen finden von Sonntag bis Mittwoch statt. Themen sind der Antichrist und die Apokalypse, wie italienische Medien berichteten. Die Seminare des 58-jährigen Milliardärs, der US-Präsident Donald Trump nahe steht, sorgen für Aufregung in Rom.

Thiels Treffen sind nicht öffentlich und nur auf Einladung zugänglich. Unklar ist, wer die Einladungen erhalten hat. Handys, Aufzeichnungen und Notizen sollen nach Angaben der Organisatoren untersagt sein. Über den genauen Inhalt der Vorträge ist bisher wenig bekannt. Zunächst hatte es Berichte gegeben, wonach die Veranstaltungen an der Päpstlichen Universität des Heiligen Thomas von Aquin, bekannt als Angelicum, stattfinden sollten. Dort hatte Robert Prevost - heute Papst Leo XIV - 1987 seine Doktorarbeit im Kirchenrecht verfasst.

Die Universität wies diesen Bericht jedoch zurück. "Die Veranstaltung wird nicht von der Universität organisiert, findet nicht am Angelicum statt und gehört zu keiner unserer institutionellen Initiativen", erklärte Rektor Thomas Joseph White in einer Mitteilung.

Thiels Seminare wurden vom italienischen Kulturverein "Vincenzo Gioberti", sowie von der römischen Niederlassung der "Catholic University of America" organisiert. "Gegenstand der Vorlesungen von Peter Thiel wird der Antichrist sein", heißt es in der Erklärung. Das Thema sei "dramatisch wichtig", weil in der Gegenwart Kräfte am Werk seien, "mehr oder weniger verborgen", die darauf abzielten, "das zu zerstören, was vom Westen übrig geblieben ist".

Die Reise des als Unterstützer von Donald Trump geltenden Unternehmers stößt in Italien auf Kritik. Die stärkste italienische Oppositionspartei Partito Democratico (PD) kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Sie will von der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wissen, ob offizielle oder institutionelle Treffen mit Thiel geplant sind.

Die Abgeordnete Elisabetta Piccolotti von der oppositionellen Linkspartei "Alleanza Verdi e Sinistra" verwies darauf, dass Thiels Firma Palantir wegen der Nutzung von Datenanalyse-Technologien durch Regierungen und Sicherheitsbehörden immer wieder in der Kritik stehe. "Was tut Thiel in Italien? Sucht er möglicherweise neue Vereinbarungen oder Verträge mit öffentlichen Institutionen?", fragte die Abgeordnete.

Das Thema Antichrist beschäftigt Thiel, einen langjährigen Sponsor der Republikaner, seit längerem. Bereits im September 2025 hatte er in San Francisco vier Seminare zu der biblischen Figur abgehalten. Dort beschrieb er den Antichristen der Gegenwart als Akteure und Institutionen, die vorgeben, Frieden und Stabilität zu bringen. Nach seiner Ansicht verkörpert sich das "Böse" etwa in technologischer Regulierung, globaler Governance oder im Kampf gegen den Klimawandel - Entwicklungen, die scheinbar Sicherheit versprächen, tatsächlich aber die Freiheit der Bürger einschränkten. Als Symbol des Antichristen bezeichnete Thiel auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, der er vorwirft, den Niedergang der westlichen Zivilisation zu fördern.

Thiel gilt als umstrittene Figur im Silicon Valley

Thiel, in Deutschland geboren und in den USA aufgewachsen, gilt als eine der umstrittensten Figuren im Silicon Valley. Sein Unternehmen Palantir liefert Datenanalyse-Software an Streitkräfte verschiedener Länder sowie an US-Regierungsbehörden, darunter die Grenzschutzbehörde US Immigration and Customs Enforcement (ICE). Der Unternehmer gehörte 2016 zu den ersten großen Geldgebern von Trumps Wahlkampf und unterstützte auch die politische Karriere des heutigen US-Vizepräsidenten JD Vance, der zuvor in Thiels Investmentfirma Mithril Capital tätig war.

In den vergangenen Jahren profilierte sich Thiel zudem als Ideologe einer international vernetzten ultrakonservativen christlichen Rechten mit stark apokalyptischen Bezügen. Zuletzt traf er sich auch mit der japanischen Politikerin Sanae Takaichi, um mögliche Kooperationen mit seinen Unternehmen zu erörtern.

Zusammenfassung
  • Der US-Tech-Milliardär Peter Thiel hält von Sonntag bis Mittwoch in Rom private Seminare zum Thema Antichrist und Apokalypse, die nur auf Einladung zugänglich sind und bei denen Handys und Aufzeichnungen verboten wurden.
  • Die Veranstaltungen werden vom italienischen Kulturverein Vincenzo Gioberti und der römischen Niederlassung der Catholic University of America organisiert, während die Universität Angelicum eine Beteiligung ausdrücklich dementiert.
  • Die Seminare stoßen in Italien auf politische Kritik, insbesondere von der Oppositionspartei PD, die eine parlamentarische Anfrage zu möglichen offiziellen Kontakten zwischen Thiel und der Regierung angekündigt hat.