Ludwig: "Sie werden nicht annehmen, dass ich in ein Unternehmen eingreife"

01. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sagt im Newsroom LIVE mit Corinna Milborn, er selbst habe keine Einschätzung zu den Termingeschäften der Wien Energie, er vertraue auf die Geschäftsleitung.

Corinna Milborn stellt im Interview mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig unter anderem die entscheidende Frage, ob der Bürgermeister - als Eigentümervertreter der Stadt Wien bei der Wien Energie - wisse, wie viel Strom Wien Energie verkauft habe, der noch gar nicht produziert sei. Sie fragt, ob Ludwig eine Einschätzung habe, ob man den schon verkauften Strom wegen der steigenden Gaskosten überhaupt noch zu einem entsprechenden Preis produzieren könne. 

"Nein, habe ich nicht", antwortet Ludwig. "Ich gehe davon aus, dass die Geschäftsleitung nach allen Möglichkeiten den Markt beobachtet und die entsprechenden Vorkehrungen getroffen hat", so der Wiener Bürgermeister. "Sie werden nicht annehmen, dass ich in ein Unternehmen eingreife". 

"Habe vollstes Vertrauen in Geschäftsführung"

Niemand könne derzeit sagen, wie sich der Energiemarkt entwickeln werde. Man müsse an einer gemeinsamen europäischen Lösung arbeiten, um den Markt zu stabilisieren, fordert der SPÖ-Politiker. Allein die Ankündigung für einen europäischen Energiegipfel am 9. September habe schon für mehr Stabilität gesorgt. "Das Wichtigste ist, dass die Menschen versorgt werden", sagt Ludwig. Daher sei es auch "richtig, dass diese Unternehmen nicht privatisiert werden". Private Unternehmen hätten Verträge mit Kunden gekündigt, so Ludwig.

Wien Energie: Ludwig in Erklärungsnot

"Das Unternehmen Wien Energie ist in keiner finanziellen Schieflage", betont der Bürgermeister und Landeshauptmann. Dass Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) das so dargestellt habe und dass dieser nur bei Wien und nicht bei anderen Bundesländern an die Öffentlichkeit ging, kritisiert Ludwig "aufs Schärfste". Denn die "Herausforderung" sei lediglich gewesen, "in kurzer Zeit Liquidität herzustellen".

"Völlig normaler Vorgang"

Es sei ein "völlig normaler Vorgang", dass sich Unternehmen dann an den Bund wenden würden. Ludwig betont, dass er schon in der Vergangenheit einen Schutzschirm gefordert hätte - wann genau und warum er nicht sagte, dass die Stadt schon 700 Millionen Euro zahlte, konnte er allerdings nicht erklären. In seinen Augen sei Wien Energie jedenfalls "gut geführt". 

Ludwig kritisiert außerdem, dass er zum Energiegipfel der Bundesregierung am vergangenen Wochenende nicht eingeladen gewesen sei. Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) sei kurzfristig eingeladen worden - er sei aber im Ausland gewesen und habe nicht gewusst, dass es um Wien Energie gehen soll. 

Kritik erntete Ludwig zuletzt auch von den NEOS, die ihm fehlende Transparenz vorwerfen. Die Koalition funktioniere aber "wunderbar", sagt Ludwig. Man arbeite außerdem an weiteren Maßnahmen, um die Menschen wegen der steigenden Energiekosten zu entlasten.

Quelle: Redaktion / koa