Frankreich: Höchste Terror-Warnstufe nach Angriffen

29. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Frankreich hat die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen. Zuvor waren bei einer Messerattacke in Nizza drei Personen ums Leben gekommen. Eine Frau wurde wohl enthauptet. Bei einem Angriff auf Passanten in der Nähe von Avignon wurde der Täter von der Polizei erschossen. 

Frankreich hat die höchste Terror-Warnstufe nach in Nizza und in der Nähe von Avignon ausgerufen. Sie wird landesweit gelten. Die Antwort der Regierung auf die Anschläge werde "hart und unerbittlich" sein, erklärte Premierminister Jean Castex vor der Nationalversammlung.

Castex verurteilte den Anschlag in Nizza als "ebenso feige wie barbarische Tat, die das ganze Land in Trauer versetzt".

In der südfranzösischen Küstenstadt Nizza kamen bei einer Messerattacke am Donnerstag drei Personen ums Leben und sechs wurden verletzt. Pariser Polizeikreisen zufolge wurde eine Frau wohl enthauptet. Auch in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon hat es einen mutmaßlich islamistischen Angriff auf Passanten gegeben. 

Der Vorfall in Nizza sich in der Nähe der Kirche Notre-Dame ereignet haben. Der Bürgermeister der Stadt, Christian Estrosi, teilte via Twitter mit, dass der Täter bereits verhaftet worden sei. Polizeikreise bestätigten eine Festnahme. 

Die Tat gleiche einem terroristischem Anschlag, sagte Estrosi. Auf "Twitter" sprach er von "Islamofaschismus". Der mutmaßliche Täter soll "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mords in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben.

Avignon: Angreifer erschossen

In der Nähe von Avignon habe ein Mann habe in dem Ort Montfavet mehrere Menschen mit einer Pistole bedroht, teilte die Polizei am Donnerstag mit und bestätigte entsprechende Medienberichte. Die Polizei habe den Mann erschossen.

Der Hörfunksender "Europe 1" meldete, der Angreifer habe "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen. Polizeikreise berichteten hingegen, dass es derzeit keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund gebe.

Krisensitzung im Innenministerium

Innenminister Gérald Darmanin bestätigte einen Polizeieinsatz in der Innenstadt von Nizza. Im Ministerium gebe es eine Krisensitzung.

Darmanin hatte mehrfach von einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt. Erst vor zwei Wochen hatte ein mutmaßlicher Islamist einen Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet. Der Lehrer hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Unterricht genutzt. Der Fall sorgte für große Bestürzung im Land. Zehntausende gingen auf die Straße, um sich solidarisch zu zeigen.

EU-Parlamentspräsident geschockt

Der Präsident des Europaparlaments David Sassoli zeigte sich zur schockiert und traurig über die Nachrichten aus Nizza. Auf "Twitter" rief er am Donnerstag zur Geschlossenheit auf: "Wir haben die Pflicht, zusammen gegen Gewalt und gegen diejenigen zu stehen, die aufhetzen wollen und Hass verbreiten."

Angriff auf französisches Konsulat in Saudi-Arabien 

Es kam am Donnerstag noch zu einem weiteren Angriff auf das französische Konsulat im saudi-arabischen Jeddah. Ein Wachmann wurde dabei verletzt.

Wie die Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf den Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi berichtete, griff ein rund 40 Jahre alter Mann den Wächter mit einem "scharfen Werkzeug" an. Der Täter wurde festgenommen. Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar.

Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer "Messerattacke". Der verletzte Wachmann sei bei einer Sicherheitsfirma angestellt, erklärte die Botschaft, ohne dessen Staatsangehörigkeit zu nennen. Saudische Sicherheitskräfte hätten den Täter unmittelbar nach dem Angriff überwältigt.

 

Der Artikel wurde am 29.10.2020 um 11:55 Uhr aktualisiert. Um 12:20 Uhr wurde er um die Angriffe auf das Konsulat in Jeddah und in Avignon erweitert und um 13:03 um die Meldung, dass Frankreich die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen hat. Um 13:12 Uhr wurde der Artikel erneut aktualisiert.

Quelle: Agenturen