APA - Austria Presse Agentur

Mehr als 30 Tote bei Doppelanschlag in Bagdad

22. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Bei einem schweren Doppelanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Donnerstag mindestens 32 Menschen getötet und mehr als 110 weitere verletzt worden. Die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) beansprucht, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Der IS bekannte sich in der Nacht zu Freitag auf seinem Informationsdienst Amaq, der über den Kurznachrichtendienst Telegramm verbreitet wird, zu dem Attentat zweier Männer.

Die beiden Attentäter hätten sich während einer Verfolgungsjagd mit Sicherheitskräften auf einem Marktplatz in die Luft gesprengt, sagte Armeesprecher Jahia Rasul. Videos von den Augenblicken nach den Explosionen zeigten mehrere Tote und Verletzte auf einem Marktplatz liegend. Retter versorgten die Opfer. Auf dem Boden waren Blutpfützen zu sehen. Es war der schwerste Selbstmordanschlag im Irak seit mehr als einem Jahr.

UNO-Generealsekretär Antonio Guterres verurteilte den Terrorakt scharf. Die Bewohner des Landes sollten jeglichen Versuch zurückzuweisen, Angst und Gewalt zu verbreiten, um so Frieden, Stabilität und Einheit zu untergraben, forderte Guterres. Er rief die Regierung des Irak dazu auf, sicherzustellen, dass die Verantwortlichen für den Terroranschlag in Bagdad rasch identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden.

Auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und sein deutscher Kollege Heiko Maas verurteilten die Tat. "Unsere Herzen sind beim irakischen Volk nach den verheerenden Selbstmordanschlägen in Bagdad", schrieb Schallenberg auf Twitter. "Österreich ist mit dem Irak solidarisch gegen die Geißel des Terrorismus und Extremismus."

"Ich verurteile die heutigen Anschläge in Bagdad in aller Schärfe und spreche den Angehörigen der Opfer sowie dem irakischen Volk mein tiefes Mitgefühl aus. Den vielen Verletzten wünsche ich baldige Genesung", teilte Maas mit. Deutschland werde sein Engagement im Irak fortsetzen.

Papst Franziskus sprach von einem "sinnlosen Akt der Brutalität". Das katholische Kirchenoberhaupt plant für Anfang März eine Reise in das Land. Der Papst sei "zutiefst betrübt" gewesen, als er von dem Attentat in der Hauptstadt Bagdad mit vielen Toten und Verletzen erfahren habe, teilte der Kirchenstaat am Donnerstag mit. "Er bedauert diesen sinnlosen Akt der Brutalität und betet für die Toten und ihre Familien, für die Verletzten und das anwesende Rettungspersonal", hieß es in einem Telegramm des Vatikans an den irakischen Präsidenten Barham Salih. Das Schreiben war von Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet.

Der 84-jährige Franziskus will vom 5. bis 8. März in das Land und unter anderem auch nach Bagdad fahren. Das hatte der Vatikan im Dezember 2020 angekündigt. Der Irak leidet noch immer unter den Folgen des Kampfes gegen die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die zwischen 2014 und 2017 große Gebiete im Norden und Westen des Iraks beherrscht hatte. Einer der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre ereignete sich im Jänner 2018, als zwei Attentäter auf einem belebten Marktplatz in Bagdad 38 Menschen töteten.

Die irakischen Sicherheitskräfte konnten den IS mit internationaler Unterstützung - insbesondere der USA - militärisch besiegen. Zellen der Terroristen sind aber weiterhin aktiv und verüben regelmäßig Anschläge. In Bagdad kam es in vergangenen Monaten zudem immer wieder zu Raketenangriffen, die sich auch gegen irakische Militärstützpunkte richteten, die von US-Truppen genutzt werden. Meist stecken dahinter lokale Milizen, von denen manche vom Nachbarland Iran unterstützt werden.

Quelle: Agenturen