Katz: Als Kriegsgegner in Russland fühlt man sich wie ein "Drogendealer"

21. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Geschäftsführer Markus Breitenecker stellte am Mittwoch seinen Keynote-Slot bei den Medientagen zur Verfügung. PULS 24 Infochefin Corinna Milborn interviewte den russischen Oppositionellen und Youtuber Maxim Katz.

Einen interessanten Einblick in in den gesellschaftlichen Zustand Russlands bot am Mittwoch der russische Oppositionelle und Youtuber Maxim Katz bei den Medientagen. PULS 24 Geschäftsführer Markus Breitenecker hatte seinen Keynote-Spot für ein Interview zur Verfügung gestellt.

Maxim Katz war oppositioneller Politiker in Russland. Wenige Tage vor Kriegsbeginn floh er nach Israel, von wo aus er aktuell einen russischsprachigen Youtube-Kanal mit Millionen Zuschauern - auch aus Russland - betreibt. "Ich habe die Kriegsgefahr ernst genommen und wusste, dass bald nach Kriegsbeginn Verhaftungen von Oppositionellen beginnen würden", schildert er im Gespräch mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn. Wer gegen den Ukraine-Krieg sei, der fühle sich in Russland aktuell wie ein "Drogendealer". Man müsse immer auf der Hut sein.

Mobilmachung ändert nichts am Ausgang

Der Ukraine-Krieg sei für Russland verloren, zeigte sich Katz überzeugt. Mit seiner Rede und der Teilmobilmachung wolle Putin aber zeigen, "dass er nicht aufgeben wird". Auch die russische Bevölkerung würde vieflach den Sinn des Krieges nicht sehen. Allein, dass Putin zu einer teilweisen Einberufung greifen müsse, zeige das. Trotz großer finanzieller Anreize hätte die russische Armee nicht genug Freiwillige für ihren Bedarf erreichen können. "Diese Mobilmachung wird nichts daran ändern, wie der Krieg verlaufen oder enden wird", zeigt er sich überzeugt.

Katz hat gleich viel Zuseher wie Abendnachrichten

Das Verhältnis der russischen Bevölkerung zur Regierung und den Staatsmedien sei anders als in Europa bzw. der westlichen Welt. "In Europa widersetzen sich die Menschen offen der Regierung und tun ihre Meinung kund", sagt er. In Russland sei dies teilweise unter Strafe. "Die Menschen widersprechen der Berichterstattung nicht öffentlich, aber sie wissen, dass alles gelogen ist."

Den Menschen sei klar, dass es außerhalb Russlands freie Medien mit tatsächlichen Informationen gebe. So erkläre sich auch der große Anteil an russischer Zuseherschaft seines Youtube-Kanals. Seine Zuseherzahlen seien bereits mit jenen der Abendnachrichten in Russland vergleichbar, erzählt er.

Visa-Bann sinnvoll

Katz befürwortet einen Visa-Bann für Russen. Denn für viele Opportunisten biete ein Schengen-Visa eine bequeme Sicherheit. "In ein paar Stunden ist man von St. Petersburg über der finnischen Grenze", meint Katz. Dadurch hätten Putin-Günstlinge die Möglichkeit, sich im Zweifelsfall leicht abzusetzen. Ohne diese Sicherheit würden es sich manche vielleicht zweimal überlegen, ob sie Putin weiter stützen.

Quelle: Redaktion / hos