Mangott: "Es gibt keine Deadline für diesen Krieg"

08. März 2022 · Lesedauer 3 min

Gerhard Mangott, Politikwissenschaftler an der Universität Innsbruck, spricht im Newsroom LIVE über mögliche Hintergründe warum die Russen trotz Waffenruhe weiterhin ukrainische Städte beschießen würden. Laut Mangott gebe es für Putin auch "keine Deadline" im Krieg.

Am Montag haben sich Russland und die Ukraine nach Verhandlungen erneut für die Schaffung von humanitären Korridoren geeinigt. Für Mangott ist es "enttäuschend, bei wie vielen Städten es nicht gelungen ist", die Flucht- und Versorgungskorridore herzustellen. Selbst dort, wo es gelungen ist "sind auch nur wenige hundert Menschen rausgekommen", so der Politikwissenschaftler. "Die gestrigen Verhandlungen haben Hoffnungen geweckt, der heutige Tag hat sie nicht erfüllt", zeigt sich Mangott enttäuscht.

"Zynisches Spiel" Russlands

"Es ist ein zynisches Spiel" Russlands, dass trotz der Waffenruhe und den versprochenen humanitären Korridoren "weiterhin geschossen wird". Russland versucht sich so als jemand darzustellen, der verhandelt und Zivilistinnen und Zivilisten helfen würde, "aber es dennoch nicht tut", erklärt Mangott und meint weiters, dass "dieser Beschuss militärisch auch keinen Sinn" macht.

Die Rückkehr von Janukowytsch 

Am Montag hat sich der gestürzte ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch seinen Nachfolger Wolodymyr Selenskyj dazu aufgefordert sich zu ergeben. Nun wird vermutet, dass Janukowytsch nach dem Krieg als Präsident von Putins Gnaden zurückkehren könnte. "Janukowytsch könnte argumentieren, dass er aus dem Exil zurückkehrt und seine zu Unrecht unterbrochene Herrschaft wieder aufnimmt", erklärt der Politikwissenschaftler. Somit könnte man ein gewisses "Legalitätsprinzip" herstellen.

Mangott merkt allerdings an, dass Janukowytsch inzwischen selbst in den östlichen, russischsprachigen Regionen der Ukraine kaum Rückhalt genieße. Ohne massive Waffengewalt und Unterstützung Russlands könne er sich also nicht an der Macht halten, meint Mangott.

Zugeständnisse

Auf die Frage, ob Zugeständnisse der Ukraine den Krieg beenden könnten und den Status-Quo wiederherstellen könnten, sieht Mangott skeptisch. Zwar habe Selenskyj in einem Interview angekündigt, über Zugeständnisse "nachdenken zu wollen". "Man sollte aber abwarten, ob es sich hierbei um wirkliche Verhandlungspositionen der Ukraine handelt", gibt der Politikwissenschaftler zu bedenken.

Für Selenskyj wäre sie Situation schwierig. Ob er sich Zuhause an der Macht halten könnte, wenn er zu viele Zugeständnisse gegenüber Putin macht, möchte Mangott bezweifeln. Für Ukrainerinnen und Ukrainer könnte es "wie eine politische Kapitulation" aussehen.

Fraglich ist für Mangott auch, ob Putin Selenskyj an der Macht lassen würde. "Nach russischer Diktion würde dann weiterhin ein Nazi die Ukraine regieren", so Mangott. Außerdem könnte Putin auch nicht nachgeben. Für den russischen Präsidenten ist es so, dass "die Krim zu Russland gehört" und die "Volksrepubliken unabhängig sind".

"Russland möchte den Krieg rasch ein Ende setzen, es gibt aber keine Deadline für diesen Krieg", führt Mangott aus. Putin würde den Konflikt "weiter eskalieren und brutalisieren, um seine Ziele zu erreichen".

Jet-Lieferungen in die Ukraine

Dass Polen über die USA alte sowjetische Kampfflieger an die Ukraine liefert, könnte für Mangott gefährlich sein, denn "das russische Außenministerium hat genau davor gewarnt". Für Russland könnte dies als "Eintritt der NATO in den Konflikt gelten".

"Eine Eskalation ist dann nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich – die russische Seite weiß nicht, ob die polnischen Jets jetzt von Polen oder Ukrainern gesteuert werden", meint Mangott.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj