Moser zu AKW Saporischschja: "Propagandaschlacht" von beiden Seiten

19. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Geht es um das Atomkraftwerk Saporischschja, gebe es eine "unglaubliche Propagandaschlacht" - sowohl von russischer als auch ukrainischer Seite, so der österreichische Journalist Lukas Moser. Bernhard Traxl vom ABC-Abwehrzentrum des österreichischen Bundesheers erklärt, welche Auswirkungen eine Beschädigung des AKW auf Österreich hätte.

"Es ist eine unglaubliche Propagandaschlacht hier im Gange – aber von beiden Seiten aus", erklärt der österreichische Journalist Lukas Moser in Bezug auf die gestrigen Warnungen Russlands vor einem angeblichen ukrainischen Angriff auf das Atomkraftwerk Saporischschja.

AKW Saporischschja: "Gottseidank noch nichts passiert"

Es habe am Freitag von ukrainischer Seite Meldungen gegeben, dass die russischen Streitkräfte Kampfmaterial in Richtung des Reaktors gebracht hätten. Auch von russischer Seite habe es ähnliche Meldungen gegeben. Es sei aber "gottseidank noch nichts passiert".

An der Südfront, in Mykolaiv, gab es einen Angriff auf eine bereits beschädigte Universität. Durch die Druck- und Schockwellen seien auch die umliegenden Wohnhäuser beschädigt worden. "Das ist eine unfassbar grauenvolle Lage, man kann sich das gar nicht vorstellen", so der österreichische Journalist.

Was ist in den nächsten Tagen zu erwarten?

"Es dürfte wirklich von russischer Seite geplant sein, hier frontal an mehreren Fronten anzugreifen. Die Lage ist unfassbar instabil und volatil und man muss damit rechnen, dass es in den nächsten Tagen eskaliert", prognostiziert Moser.

Die Journalisten vor Ort hätten auch die Meldung bekommen, dass am schwarzen Meer in Richtung Odessa immer mehr russische Kriegsschiffe wieder in die Nähe kommen. "Also auch für Odessa dürfte es in den nächsten Tagen wieder ganz ungemütlich werden", erklärt der Journalist im PULS 24 Interview.

Atomkraftwerk: "Derzeit kein großes Risiko"

In Bezug auf die Lage in Saporischschja erklärt Bernhard Traxl vom ABC-Abwehrzentrum des österreichischen Bundesheers: "Derzeit besteht kein sehr großes Risiko, dass es zu einem Austritt von radioaktivem Material kommt. Aber über kurz oder lang, je länger hier die Infrastruktur zerstört wird, kann es natürlich zu einem Störfall kommen".

Keine Auswirkungen für Österreich?

Das Worst Case Szenario wäre laut Traxl, wenn eine Konfliktpartei beschließen würde, absichtlich das Containment zu zerstören. "Damit wären der Reaktorkern, die Brennstäbe, das Nuklearmaterial freigelegt - und dann würde es, je nach Wetter und Temperatur, zu einer größeren Freisetzung kommen", erklärt Traxl. Wahrscheinlicher sei es jedoch, dass es durch Artilleriebeschuss oder Granatenbeschuss zu einer Beschädigung des Reaktors kommt.

Bei einem solchen Szenario, bei dem es ausschließlich zu einer örtlichen nuklearen Freisetzung kommen würde, dürfte es nach aktuellen Berechnungen keine Auswirkungen für Österreich geben, erklärt Traxl.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj