APA - Austria Presse Agentur

Luftfilter zum Schulbeginn: Alles nur heiße Luft?

20. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

Dass in allen Klassen, die Luftfilter benötigen, mit Schulbeginn auch welche stehen, halten Experten für unwahrscheinlich.

"Wo Lüften nicht oder nur schwer möglich ist", sollen Luftfilter eingesetzt werden, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), als er am 23. Juli die Eckpunkte für den Schulstart Anfang September präsentierte. Die Monate davor negierte Faßmann die Notwendigkeit von Luftfiltern in den Schulen. „Stoßlüften“, wiederholte der Bildungsminister wie ein Mantra, sei völlig ausreichend.  

Am 10. August versicherte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein im PULS 24 Interview, dass „die Luftfilter jetzt bestellt worden sind“. Schließlich müsse der Präsenzunterreicht im kommenden Schuljahr garantiert werden, betonten beide Minister. 

Ausschreibung läuft bis 24. August

Nun beginnt das kommende Schuljahr im Osten am 6., im Rest Österreichs am 13. September. Von den versprochenen Luftfiltern ist in den Klassenzimmern noch nichts zu sehen. Die Ausschreibung für die entsprechenden Geräte wird über die Bundesbeschaffung GmbH abgewickelt. Sie läuft noch bis 24. August. Bis dahin können Luftfilter-Anbieter ihr Angebot einmelden, danach müssen die Firmen noch ausgewählt, die Geräte von den Schulerhaltern bestellt, dann von den Firmen geliefert und montiert werden. In Ostösterreich bleiben für diesen Prozess dann genau acht Werktage bis zum Schulstart übrig.   

Wie viele Geräte man braucht, ist ungewiss

Dass in allen Klassen, die Filter-Luftreiniger benötigen, diese mit Schulbeginn auch laufen, ist also eher als sehr unwahrscheinlich einzustufen, sagen Branchenkenner zu PULS 24 . Wolfgang Hucek, Geschäftsführer von TROX Austria, einem großen Industrieanlagenanbieter, etwa hält es gar "für ausgeschlossen", auch wenn er es begrüße, dass nun auch seitens der Politik auf Luftreiniger gesetzt wird. Bei Philips, einem der größeren Hersteller von Luftfiltern, bezeichnet man das Unterfangen des Ministeriums als "sehr ambitioniert".  

Im Bildungsministerium hält man freilich an den Zeitplänen fest. „Zu Schulbeginn werden die ersten Geräte sukzessive geliefert. Das hängt auch davon ab, wer was haben will", teilt eine Sprecherin mit. 

Denn wie viele Klassen solche Geräte überhaupt benötigen, weiß man so genau noch nicht. Die Schulerhalter (in den meisten Fällen sind das Gemeinden oder Länder) würden derzeit erst „einmelden“, wie viele Geräte sie benötigen würden.  Ausgeschrieben sind von der Bundesbeschaffung GmbH jedenfalls maximal 40.000 Geräte für 10.000 Räume. Zur Verfügung gestellt werden von der Republik dafür 10 Millionen Euro – ein Gerät darf also 250 Euro kosten. Lehrergewerkschafter Hannes Grünbichler rechnet, dass 30.000 Geräte gebraucht werden. "besser spät als nie", kommentiert er das Vorgehen der Regierung.

Hannes Grünbichler, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft und Lehrer, fordert die dritte Impfung für Lehrer. Er schätzt, dass an Österreichs Schulen 30.000 Luftfilter benötigt werden.

Alle Produkte, die Firmen bei der Republik melden und für gut befunden werden, kommen dann in einen Online-Katalog, über den Schulbetreiber bestellen können. Ob die Geräte, die die Firmen nun sukzessive an die Republik melden, zum Bestellzeitpunkt durch die Schulen noch immer lieferbar sind, ist ungewiss.  

 

Derzeit habe man "für das Modell, das wir anbieten werden, ausreichend Ware auf Lager", teilt Philips mit. Derzeit sei man gegenüber einer "zeitnahen Lieferung von September bis Oktober", je nach Bestellzeitpunkt der Schule "positiv" eingestellt. Aber: Es handle sich eben um eine "absolute Momentaufnahme", betont man bei Philips. Philips Hamburg ist für die gesamte DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz, Anm.) zuständig, vor allem Bayern, aber auch andere deutsche Bundesländer würden derzeit eine erhöhte Nachfrage zeigen. Wenn diese vorher bestellen, könnte Österreich leer ausgehen. 

Sind 10 Millionen Euro zu wenig?

Ohne zu wissen, wie viele Geräte nun eigentlich genau benötigt werden, hält auch Wolfgang Hucek eine vollständige Ausstattung der Schulen mit den benötigten Luftfiltern erst Anfang oder Mitte Oktober für realistisch. Unrealistisch hingegen findet er den Preis von 250 Euro pro Gerät. 

Auch bei Philips betont man, dass von Geräten um 250 Euro vier - in kleineren Räumen drei – pro Klasse aufgestellt werden müssen. Transport und Montage in den einzelnen Schulen "sehen wir in den 10 Millionen Euro aktuell eher unreflektiert", teilt Philips mit. Die Bundesbeschaffung GmbH ließ die Anfrage von PULS 24 dazu unbeantwortet.  

Es bleibt also nur zu hoffen, dass es gar nicht so viele Klassen in Österreich gibt, die keine Fenster zum Lüften haben. Lange sagte Faßmann, dass Lüften effektiver sei als Luftfilter, das Zögern könnte sich nun rächen.  

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa