APA - Austria Presse Agentur

Kurz: Massentests kommen auf freiwilliger Basis

16. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Montag erneut bekräftigt, dass die Regierung Massentests in der Bevölkerung durchführen will. Ein Detailplan wird Ende der Woche präsentiert.

"Wir haben uns entschieden, dass wir in Österreich auf das Angebot der freiwilligen Massentests setzen werden", sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz nach einer Videokonferenz mit dem slowakischen Ministerpräsidenten Matovic. Das Modell habe sich in der Slowakei bewährt, die Infektionszahlen seien dort stark zurückgegangen.  

 

So sollen die Corona-Massentests durchgeführt werden

In einem ersten Schritt sollen bestimmte Gruppen wie Lehrer getestet werden, damit der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Vor Weihnachten sollen dann in einem noch größeren Schritt möglichst viele Menschen erreicht werden, um sichere Feiertage zu ermöglichen, kündigte Kurz an. Ein Detailplan will die Regierung Ende der Woche präsentieren. Die Massentests sollen als Ergänzung zur bisherigen Strategie eingesetzt werden.

Kurz glaubt, dass die Bevölkerung das Angebot gut annehmen werde. "Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen sich das wünschen", sagt er. 

Erster Durchgang könnte bereits Anfang Dezember starten

In Österreich könnte ein erster Durchgang mit Tests für bestimmte Gruppen wie Lehrer am Wochenende vom 5./6. Dezember und ein größerer am 19./20. Dezember erfolgen, sagte Oberst Klaus Streit, Kommandant der 30 in der Slowakei eingesetzten Bundesheer-Soldaten.

Wichtig sei bei diesen Tests, dass man die Örtlichkeiten gut verstreut, um Ansammlungen zu vermeiden. In Wien könnte man zum Beispiel in jedem Bezirk eine bis zwei große Schulen mit möglichst vielen Klassenzimmern für die Lehrer-Tests aussuchen.

Im Verteidigungsministerium sind am Montag in Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt und dem Gesundheitsministerium bereits die Planungsarbeiten für die Durchführung solcher Massentests gestartet worden. Da das Bundesheer in der Slowakei mit 30 Sanitätern an der Durchführung der Tests mitgewirkt hatte, verfügt es nun über entsprechende Erfahrungen.

Anschober: "Noch nicht ausgemacht"

Noch nicht ausgemacht ist laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober, ob es sich - wie von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigt - um flächendeckende Tests wie in der Slowakei handeln soll, oder ob die "Screenings" bestimmte Zielgruppen oder Regionen erfassen werden.

Klar ist für Anschober, dass nach dem Lockdown die Schutzkonzepte für Ältere und das "Contact Tracing" ausgebaut werden müssen. Außerdem werde man das "Screening", also das regelmäßige Testen bestimmter Personengruppen, ausbauen. Am heutigen Montag und am Dienstag stehe man diesbezüglich im Dialog mit Wissenschaftern, sagte Anschober. Von punktuellen Testungen habe man allerdings wenig. Wenn, dann brauche es mehrere Wiederholungen.

Mangelnde Freiwilligkeit in der Slowakei

In der Slowakei waren alle Einwohner zwischen 10 und 65 getestet worden. Durch die Massentests seien rund 50.000 Personen identifiziert worden, die nicht wussten, dass sie Corona-positiv seien. Diese Menschen hätten sich in Selbstisolation begeben. 

Der slowakische Außenministers Ivan Korcok bezeichnete die Tests als organisatorisch und politisch "extrem herausfordernd", aber die Maßnahme sei wirkungsvoll gewesen. In der Slowakei geht die Infektionskurve zurück und das Land beginnt den partiellen Lockdown etwas zu lockern und etwa Kirchen und Kinos wieder zu öffnen.

Freiwillig war die Teilnahme  allerdings nicht: wer kein negatives Testergebnis vorweisen konnte, war von einer strikten Ausgangssperre betroffen und durfte nicht in die Arbeit gehen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe