Kurz: "Das Einfachste wäre ein Lockdown"

22. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Wie geht man am besten mit dem Coronavirus um? Darüber gibt es in Österreich geteilte Meinungen. Für Bundeskanzler Sebastian Kurz ist es nicht ein weiterer Lockdown. Im Interview mit Corinna Milborn erklärt er die Strategie der Regierung.

Die Corona-Zahlen steigen immer weiter, zuletzt auf einen neuen Rekordwert. Die Behörden beklagen die fehlende Kooperation der Bevölkerung bei der Bekämpfung des Coronavirus. Die neuen Corona-Verschärfungen der Regierung gehen den einen nicht weit genug, die anderen halten sie für zu strikt.

Wie die Regierung mit den Sorgen der Menschen umgeht und wie sie den Herausforderungen im Winter begegnet erklärt Bundeskanzler Sebastian Kurz im Interview mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn. Die wichtigsten Aussagen im Wortlaut.

Es handelt sich bei dem Video um einen Ausschnitt. Das ganze Interview wird am kommenden Montag, dem 26.10.2020 um 20.15 Uhr auf PULS 24 gezeigt.

Kurz über die Corona-Müdigkeit der Bevölkerung

"Ich habe volles Verständnis für jeden der müde ist, für jeden der genervt ist, für jeden der sich wünschen würde, dass die Situation eine andere ist. Es überrascht mich überhaupt nicht, wenn Sie sagen, die meisten haben keine Lust mehr auf Maßnahmen. Wer hat denn das? Also ich als Staatsbürger habe das nicht. Sie haben das wahrscheinlich auch nicht. Jeder wünscht sich, dass er normal leben kann. Die Herausforderung, die wir einfach haben, ist, dass genau das eintritt, was wir erwartet haben. Im Herbst, im Winter kommt die zweite Welle. Das ist kein österreichisches Phänomen. Das ist weltweit so. Das ist besonders in allen europäischen Ländern so. Und in allen europäischen Ländern wird gleich reagiert, nämlich versucht, die Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern. Wenn ich mich da im europaweiten Vergleich umsehe, kann ich sagen, die Eingriffe sind in vielen europäischen Ländern wesentlich größer als bei uns. Da sind schon Schulen geschlossen, da sind schon Restaurants geschlossen. Da gibt es schon teilweise Ausgangssperren, weil dort die Ansteckungszahlen noch höher sind als bei uns."

Über seine Aussage, dass die Pandemie im Sommer 2021 vorbei sein wird

"Ja, es stimmt. Ich habe im Sommer, weil viele Menschen sich natürlich wünschen zu hören - wie lange dauert das? Wann ist es endlich vorbei? – versucht eine Prognose zu machen. Das ist wahnsinnig schwierig, weil die Herausforderung bei einer Pandemie ist, man kann nicht voraussagen, wann es vorbei ist. Aber wir wissen, wir der Fortschritt bei der Impfstoffentwicklung aus der heutigen Sicht ist. Daher habe ich gesagt, ich glaube – und dabei bleibe ich – dass wir nächsten Sommer wieder zur Normalität zurückkehren können, weil die Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes sehr gut laufen. (...) Jeder der wissen möchte, wann es genau vorbei ist, dass kann man nicht zu 100 Prozent beantworten. Aber ich bleibe bei der Einschätzung, die ich im Sommer, im August gemacht habe, nämlich nächsten Sommer wieder Normalität. Bis dahin ein harter Herbst und Winter."

Über die kommende Wintersaison

"Es gibt klare Konzepte. Die müssen natürlich auch eingehalten werden. Ich habe heute (Mittwoch, 21.10.2020., Anm. d. Red.) schon mit Verantwortlichen telefoniert. Im Westen Österreichs sind die natürlich auch empört als sie diese Bilder (Bilder, die Missachtung der Abstandsregeln in Tiroler Gletscherskigebieten zeigen, Anm. d. Red.) gesehen. Die sofort mit den Verantwortlichen gesprochen haben, dass sich das natürlich nicht wiederholen darf. Aber schauen Sie, ihre Frage zielt ja darauf ab, lässt es sich verhindern, dass irgendwo Personen sich nicht regelkonform verhalten. Da ist die Antwort nein."

Über einen möglichen zweiten Lockdown

"Sie haben auch vorher gemeint, manche Menschen kennen sich nicht mehr aus. Das Einfachste wäre es natürlich einen Lockdown zu machen. Alles ist zu, alle bleiben zu Hause, nichts gibt es mehr. Aber das ist ja nicht unser Ziel. Unser Ziel ist, dass so viel Freiheit wie möglich da ist, dass so viel offen haben kann, wie nur irgendwie geht. Aber gleichzeitig, dass das Infektionsgeschehen unter Kontrolle gehalten wird. Das ist natürlich ein viel komplexerer Prozess als zu sagen, alles ist zu. Ich verstehe vollkommen, wenn Menschen sagen, warum dürfen zwanzig Kinder gleichzeitig in einer Klasse sitzen und ich darf aber nur sechs Personen treffen. Das ist natürlich eine legitime Frage. Nur die einzige Antwort ist die Schule dann auch zuzusperren und das wollen wir eben nicht. (...) Immer wenn sie versuchen wollen dem Virus anders zu begegnen als mit einem Lockdown, dann müssen sie versuchen Maßnahmen zu setzen, die möglichst wirkungsvoll sind und natürlich wird es dann immer Menschen geben, die dann sagen, aber warum die Maßnahme und nicht die. Es ist eine Entscheidung, die man hier eben treffen muss."

Hinweis: Das gesamte Interview mit Bundeskanzler Sebastian Kurz sehen Sie am Montag, 26.10.2020, ab 20:15 Uhr auf PULS 24.

Quelle: Redaktion / apb