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Kurdische Feministin Nagihan Akarsel im Irak ermordet

04. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Frauenrechtlerin Nagihan Akarsel wurde laut der Nachrichtenagentur ANF, die der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahesteht, am Dienstag im Stadtzentrum von Sulaymaniyah vor ihrer Wohnung von Unbekannten erschossen.

Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw berichtet, dass ihr Körper in die forensische Abteilung Sulaymaniyahs gebracht wurde und Ermittlungen durch die kurdischen Behörden eingeleitet wurden.

Akarsel war Mitarbeiterin des Jineologie Forschungszentrum. Jineologie beschreibt eine bestimmte feministische Strömung, die auf den PKK-Gründer Abdullah Öcalan zurückgeht und innerhalb der PKK und ihren Schwesterparteien praktiziert wird. Die Frauenrechtlerin schrieb für das Magazin des Jineologie Forschungszentrum und baute laut ANF eine Frauenbibliothek auf. Die aus der türkischen Provinz Konya stammende Kurdin galt als der PKK nahestehend.

HDP verurteilt Attentat

Die Demokratische Partei der Völker (HDP), die zweitgrößte Oppositionspartei der Türkei, verurteilte das Attentat auf der Kurznachrichtenplattform Twitter: "Wir verurteilen diese brutale Tat aufs Schärfste. Der Freiheitskampf der Frauen darf durch solche Gräueltaten nicht zum Schweigen gebracht oder eingeschüchtert werden!" Die PKK-nahe Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E) macht die Türkei für den Anschlag verantwortlich: Das Attentat "des faschistischen türkischen Staates" und der "kollaborierenden" Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) richte sich gegen die Frauen, die die nun in den iranischen Protesten genutzte Parole "Frau, Leben, Freiheit" erschaffen habe.

Bereits zuvor wurden PKK-nahe Aktivisten in Irakisch-Kurdistan ermordet. Im Mai wurde Zaki Chalabi, Leiter der Mesopotamien Arbeiterorganisation, die der PKK ideologisch nahesteht, ebenfalls in Sulaymaniyah getötet. Die Kandil-Berge an der Grenze zwischen Irakisch-Kurdistan und dem Iran ist das traditionelle Rückzugsgebiet der PKK. Die PKK führt aufgrund von Autonomiebestrebungen seit 1984 Krieg gegen den türkischen Staat und ist in allen vier Teilen Kurdistans (Irak, Iran, Syrien, Türkei) aktiv.

Die Türkei stuft die PKK als Terrororganisation ein und greift immer wieder Stellungen im Irak und Syrien an. Das türkische Vorgehen in Irakisch-Kurdistan wird teilweise von der im Norden regierenden KDP unterstützt. Die PKK sei eine Bedrohung für "unsere Dörfer", sagte der Transportminister von Irakisch-Kurdistan Ano Jawhar Abdulmaseeh Abdoka im September. Die PKK wirft der KDP regelmäßig Kollaboration mit der Türkei vor.

Quelle: Redaktion / mbe