Krim-Brücke: Karner geht von "nachrichtendienstlicher Sabotageaktion" aus

08. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

PULS 24 Militärexperte Gerald Karner spricht nach der Explosion auf der strategisch wichtigen Krim-Brücke von einer Aktion - wahrscheinlich - des ukrainischen Geheimdienstes. Auch Journalist Denis Trubetskoy schließt das nicht aus.

Bei der Explosion auf der Brücke zwischen Russland und der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach russischen Angaben mindestens drei Menschen gestorben. In der Ukraine wurden die Bilder mit Jubel aufgenommen. "Krim. Die Brücke. Der Anfang", schrieb der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, am Samstag bei Twitter. 

PULS 24 Militärexperte Gerald Karner erklärt, warum die Ukraine jubelt: Die Brücke sei von "enormer militärstrategischer Bedeutung". Über sie werden die russischen Truppen auf der Krim, in Cherson und Saporischschja versorgt. Die Nachschubwege für die Truppen können ohne Brücke nur noch über Bahnlinien, die von der ukrainischen Artillerie erreicht werden können, bedient werden. 

"Zusammenspiel mehrerer Kräfte" 

Für ihn sieht die Explosion nach einer Autobombe aus: Der Lkw "muss ganz offensichtlich voll beladen gewesen sein mit Sprengstoff erster Güte", sagt er. Er geht von einem "sehr gut und wohl geplanten nachrichtendienstlichen Sabotageakt" aus. Die Frage sei dabei aber, warum eine für Russland so wichtige Brücke nicht besser bewacht war - er vermutet daher ein " nachrichtendienstliches Zusammenspiel mehrerer Kräfte". 

Trubetskoy: Sprengung der Krim-Brücke "im Interesse der Ukraine"

Journalist Denis Trubetskoy sagt ebenfalls, dass "schon wirklich davon auszugehen" sei, dass der ukrainische Geheimdienst hinter der Explosion stecke. "Ein Unfall kann es kaum gewesen sein", sagt er. Es gebe zwei Theorien: Der Lastwagen könnte auf der Brücke explodiert sein oder es könnte Sprengstoff unter der Brücke abgelegt worden sein. An eine Rakete oder eine Drohne glaubt er "eher nicht". 

Unter Gegenangriffen könnten Zivilisten leiden

Eine humanitäre Katastrophe auf der Krim drohe aber nicht, sagt der Journalist. Die Versorgung mit Lebensmitteln müsse nun halt über längere Wege passieren. Für die russischen Truppen könnten aber Probleme entstehen. 

Karner und Trubetskoy glauben, dass Russland auf die Explosion mit Gegenangriffen reagieren wird. "Russland wird hier natürlich gezwungen, eine Antwort zu zeigen", sagt der Journalist. Die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen sei aber "nicht erheblich gestiegen". 

Karner glaubt, dass Russland Kommandozentralen der Ukraine - womöglich in Kiew - angreifen wird. Da solche Angriffe oft nicht präzise sind, könnte die Zivilbevölkerung leiden. 

Quelle: Redaktion / koa