APA - Austria Presse Agentur

Kontroverse um Blockade von Biden-Bericht durch Twitter

15. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Twitter hat die Verbreitung eines "New York Post"-Artikels zu Joe Biden über den Schnellnachrichtendienst unterbunden. Damit zog das Unternehmen den Ärger von Donald Trump auf sich.

"Sie versuchen, Biden zu schützen", sagte US-Präsident Donald Trump in einem Frontalangriff gegen Twitter am Mittwochabend bei einem Wahlkampfauftritt in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa. Der Schnellnachrichtendienst war zuvor gegen einen umstrittenen Medienbericht über den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden vorgegangen.

Artikel über Bidens Sohn  konnte nicht geteilt werden

Twitter hatte die Verbreitung des Weblinks zu einem Artikel der "New York Post" unterbunden, der Biden mit Geschäften seines Sohnes Hunter in der Ukraine in Verbindung zu bringen versuchte. Unter anderem konnte er ab Mittwochnachmittag nicht mehr per Tweet oder Direktnachricht weitergeleitet werden.

Twitter verwies zur Begründung zunächst auf Regeln gegen die Verbreitung von Informationen, die durch "Hacking" beschafft worden seien und private Daten enthielten. Der Bericht - der auch Abbildungen angeblicher E-Mails zeigte - schaffe nicht genug Klarheit zur Herkunft des veröffentlichten Materials. Facebook schränkte nach eigenen Angaben die Verbreitung des Artikels ein.

Es verstoße gegen die Regeln des Netzwerkes, persönliche und private Informationen wie E-Mail-Adressen und Telefonnummern zu verbreiten, stellte Twitter später klar. Dagegen sei es kein Regelverstoß, gehacktes Material zu kommentieren oder zu diskutieren. 

Bidens Team dementiert Bericht

Die "New York Post" hatte am Mittwoch berichtet, ein E-Mail, das auf einem Notebook in einer Reparaturwerkstatt gefunden worden sei, deute auf ein Treffen Joe Bidens mit einem Geschäftspartner seines Sohnes im Jahr 2015 hin. Ein Sprecher von Bidens Wahlkampfteam betonte in einer Stellungnahme an die Website "Politico": "Wir haben Joe Bidens offizielle Zeitpläne aus dieser Zeit geprüft - und es gab nie ein Treffen, wie es von der 'New York Post' behauptet wurde."

Die Zeitung bekam nach eigenen Angaben eine Kopie der Festplatte des Notebooks vom Wochenende von Rudy Giuliani, einem engen Vertrauten von Trump. Die Kopie sei vom Besitzer der Reparaturwerkstatt angefertigt worden, während das Notebook selbst im vergangenen Dezember von der Bundespolizei beschlagnahmt worden sei.

Republikaner werfen Twitter Zensur vor

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, und Stabschef Mark Meadows warfen Twitter im Umgang mit dem Zeitungsbericht "Zensur" vor. Die Trump-Regierung bezichtigt Online-Plattformen wie Twitter und Facebook schon lange, die Verbreitung konservativer Ansichten einzuschränken - was die Dienste bestreiten.

Trumps Wahlkampfteam veröffentlichte ein Bildschirmfoto, das belegen sollte, dass Twitter McEnany wegen der Weiterverbreitung des Weblinks zu dem Artikel den Zugang zu ihrem persönlichen Twitter-Profil versperrte. Das Profil konnte am Mittwochabend weiter aufgerufen werden. Offenbar hinderte sie die Sperre daran, selbst etwas zu posten. Von Twitter gab es dazu keine Stellungnahme.

Bidens Sohn wiederholt Ziel von Trump

Trump hat wiederholt versucht, seinen Kontrahenten wegen der früheren Tätigkeit seines Sohnes in der Ukraine anzugreifen. Hunter Biden war zwischen 2014 und 2019 Mitglied im Aufsichtsrat des Gaskonzerns Burisma. Trump hat Biden wiederholt vorgeworfen, sein Amt als Vizepräsident in der Regierung von Barack Obama (bis 2017) genutzt zu haben, um zu versuchen, seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Biden weist das zurück. Trump wollte dazu Ermittlungen in der Ukraine erreichen. Der Konflikt brachte ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Rollen, das im Februar mit einem Freispruch im Senat endete.

Demokraten sammelten Rekordbetrag

In der Nacht auf Donnerstag vermeldeten die Demokraten, die rekordverdächtige Summe von 383 Millionen US-Dollar (325,96 Millionen Euro) für Bidens Wahlkampf gesammelt zu haben. Die Kampagne hatte zum Monatsende für die letzten fünf Wochen des Rennens 432 Millionen US-Dollar in bar, sagte Kampagnenmanager Jen O'Malley Dillon auf Twitter.

Damit übertraf die Partei die 365 Millionen Dollar, die die Demokraten im August gesammelt hatten. "An jeden, der im letzten Monat ein paar Dollar beigesteuert hat: Danke", schrieb Biden auf Twitter. "Ich bin überwältigt", fügte er noch hinzu..

Quelle: Agenturen