Klimaaktivist: Haben keine Angst vor negativen Konsequenzen

09. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Montagfrüh begann die angekündigte Aktionswoche der Klimagruppe "Letzte Generation". Den Auftakt machten die Klimaaktivst:innen vor Schulgebäuden in der Burggasse, Gymnasiumstraße und auf der Roßauer Lände. Dort schafften sie "verkehrsberuhigte Zonen". PULS 24 hat sich mit den Klimaaktivisten unterhalten.

PULS 24 war vor Ort als sich drei Klimaaktivisten in der Burggasse vor einer Schulzufahrt auf die Straße klebten. Die Aktion war nur von kurzer Dauer und nach 45 Minuten wieder vorbei. Trotzdem sah einer der Klimaschützer die Aktion als gelungen: "Es ist notwendig, mit jedem bisschen Energie aufzuzeigen, wie dramatisch die Klimakrise vorangeschritten ist." Die Aktivisten fordern Tempo 100 auf Autobahnen und ein Stopp von Öl- und Gasbohrungen. 

Die Regierung kritisierte er dahingehend, dass sie bisher keinerlei Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung beschlossen habe: "Es kann nicht sein, dass die Regierung immer noch nicht handelt, immer noch nicht die einfachsten Schutzmaßnahmen für uns hier einführt. Deswegen sitzen wir hier und deswegen ist die Aktion auch gelungen."

Sein Protestkollege Jakob sagte zu seinen Beweggründen: "Wir rasen zielenden Auges auf eine Wand zu. Wir sitzen alle im gleichen Bus und sehen die Wand auf uns zukommen und trotzdem geben wir weiter Vollgas". Anders sah das offenbar eine Passantin. Sie rief den Aktivisten im Vorbeigehen "Mocht des Spaß?!" zu. Die Stimmung der Bevölkerung hinsichtlich der Klimaproteste ist gespalten - auf der einen Seite Personen, die hinter den Klimaschützer:innen stehen und auf der anderen Seite die, die von den Aktionen nichts halten.

Uneinigkeit über die Wirkung der Aktionen

Ein Herr mittleren Alters meinte im PULS 24 Interview, dass durch die "Klima-Kleber-Aktionen" Aufmerksamkeit entstehe. Die Diskussion, wer an diesen Proteste Schuld trage und ob es sich um kindisches Verhalten handle, fand er ziemlich traurig. Es werde nämlich nicht das gesehen, worum es wirklich gehe, so der Befragte. Er selbst empfinde den Klimawandel als "ernstzunehmende Krise, die auf uns zukommt" und die Proteste als "legitim".

Ganz anderer Meinung war ein älterer Herr: Es würde "bessere Sachen geben, die Aufmerksamkeit erregen, als sich festzukleben", meinte er. Die Klimaaktivist:innen würden mit ihren Aktionen lediglich den Unmut der Autofahrer:innen und anderer Verkehrsteilnehmer:innen auf sich ziehen. 

Umfrage: Uneinigkeit zu den Aktionen der Klimaaktivisten

Keine Angst vor negativen Konsequenzen

Einer der drei Klimaaktivisten meinte, er verstehe die Verärgerung der Menschen. Es mache ihnen auch "keinen Spaß hier zu sitzen", doch sie sehen sich in der Verantwortung, "hier zu sitzen, weil die Regierung ihre Verantwortung nicht wahrnimmt".

Zu dem Argument, dass durch ihre Straßenblockaden Staus entstehen und dadurch mehr CO2 ausgestoßen werde, meinte der Aktivist nur: "Es gibt jeden Tag Hunderte von Staus. Die paar Staus, die wir mehr verursachen, machen es nicht wirklich großartig aus." Er appellierte an die "wirklich großen Hebel der Gesellschaft", die Politik, damit erforderliche Klimaziele erreicht werden. Vor negativen Konsequenzen wie Strafen würden sich die Aktivist:innen nicht fürchten und diese in Kauf nehmen. 

Aktivistin mit Bleiche überschüttet

Die bekannte Klimaaktivisten Lena Schilling war währenddessen bei einer politischen Versammlung der Gruppe "LobauBleibt" vor der deutschen Botschaft in Wien. Eine Gruppe von Klimaschützer:innen protestierte dort gegen die Räumung eines besetzten Dorfes im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Klimaaktivist:innen setzen sich in Lützerath, südwestlich von Düsseldorf, gegen den Abbau von Braunkohle ein. 

Schilling: "Klimaprotest ist notwendig"

Sie meinte zu den Protesten in Wien, man könne über die Aktionsformen denken, was man möchte, aber über das Thema müsse gesprochen werden. Schilling verstehe wie ihre Protestkollegen "die Wut und den Zorn" der Menschen. Aber gerade am Montag müsse man Solidarität mit alle Klimaaktivist:innen zeigen, nachdem in Wien eine Aktivistin mit "Bleiche überschüttet" wurde.

Über den Sicherheitsgipfel von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner konnte Schilling nur lachen und die Augen verdrehen. Sie riet der ÖVP-Politikerin, "sich vielleicht mal um ihre eigenen Klimaschutzbelange zu kümmern und tatsächlich Klimapolitik zu machen und nicht Angst vor etwas zu schüren, wogegen es ganz einfache Mittel gibt: nämliche politische Handlungen".

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz