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Johannes Rauch wird Gesundheitsminister - Angelobung voraussichtlich nächste Woche

03. März 2022 · Lesedauer 5 min

Johannes Rauch ist Umweltlandesrat in Vorarlberg und ein Kogler-Spezi. Nun soll er Wolfgang Mückstein als Gesundheitsminister beerben, Kogler will ihn noch am Donnerstagabend den Grünen vorschlagen, seine Angelobung soll Anfang nächster Woche stattfinden.

Bei seinem Rücktritt nannte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Donnerstagnachmittag Rauch nicht namentlich. Er wünsche seinem Nachfolger aber alles Gute, sagte er vor versammelten Medien. 

Kogler: Werde Rauch vorschlagen

Zeitgleich mit der Pressekonferenz twitterte Vizekanzler Werner Kogler, dass er Rauch dem grünen Parlamentsklub und Bundesvorstand nach am Donnerstagabend als Nachfolger vorschlagen wolle. 

Van der Bellen will Rauch kommende Woche angeloben

Nehammer hatte bereits zu Mittag für den Fall eines Rücktritts eine "rasche Übergabe" in Aussicht gestellt. Für die versuchten auch die Grünen zu sorgen. Wie Parteichef Werner Kogler, der sich bei Mückstein umfangreich bedankte, unmittelbar nach dessen Statement via Aussendung und Social Media betonte, will er noch heute dem Grünen Parlamentsklub und dem Parteivorstand den Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch als neuen Sozialminister vorschlagen. Die Letztentscheidung trifft dann der Erweiterte Bundesvorstand am Freitag. Aus Vorarlberger Landesregierungskreisen war der APA davor bereits bestätigt worden, dass Rauch nach Wien wechseln soll, um die Mückstein-Agenden zu übernehmen. Die Angelobung Rauchs durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird voraussichtlich Anfang nächster Woche stattfinden, wie die Präsidentschaftskanzlei auf Anfrage der APA mitteilte.

Rauch ist der Ehemann von Vorarlbergs SPÖ-Chefin Sprickler-Falschlunger. Eigentlich wollte Vorarlbergs Grünen-Urgestein Johannes Rauch seine politische Karriere wohl noch vor der nächsten Landtagswahl 2024 als Landesrat beenden, nun wird der 62-Jährige den beharrlichen Rufen der Bundes-Grünen wohl doch noch nachgegeben. Politisch hatte er mit dem Einzug in die Landesregierung 2014 an sich seine Ziele erreicht. Erst im Juni 2021 gab der enge Freund von Vizekanzler Werner Kogler die Parteiführung an das Nachfolger-Duo Daniel Zadra und Eva Hammerer ab.

Seit 1985 ein "Grüner"

Die politische Laufbahn des neuen Gesundheitsministers ist lang. Seine Mitarbeit bei den Grünen begann 1985, damals trat er noch in Strickpullover und mit Pferdeschwanz auf. 1997 wurde der damalige Umweltgemeinderat seines Heimatortes Rankweil (Bezirk Feldkirch) Parteichef der Vorarlberger Grünen. In den Folgejahren machte er dabei einige Tiefen durch - etwa den Verlust der Klubstärke. Persönlich war eine Krebserkrankung ein immenser Einschnitt. Er einte die zerstrittenen Grünen, der durchschlagende Wahlerfolg blieb aber bis 2014 aus. Damals zog seine Partei erstmals als Partner der ÖVP in die Landesregierung ein, was wohl auch mit einem guten Verhältnis Rauchs zu Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zu tun hat.

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Beharrlich und pragmatisch

Der als beharrlich und pragmatisch geltende Rauch, dem es nicht gerade an Selbstbewusstsein fehlt, schaffte 2019 das Ziel, in der Landesregierung zu bleiben, auch dank Rückenwinds der "Fridays for Future"-Bewegung. Mit einiger Begeisterung widmete sich der überzeugte Radfahrer als Landesrat seinen zentralen Themen Klima, Umwelt und Öffi-Ausbau. "Was mich ausmacht, glaube ich: Ich kann auch fünf oder zehn Jahre an einem Thema dranbleiben", so Rauch. Er sei "beseelt, nicht besessen. Beseelt davon, etwas zu machen und umzusetzen".

Auf die Rufe nach Wien angesprochen, erklärte Rauch bisher stets, er wolle im Land gestalten, auch wenn er nach eigenen Angaben bei den Bundes-Grünen "alles" werden hätte können. Als enger Freund von Parteichef Werner Kogler und Mit-Architekt der grünen Regierungsbeteiligung war er schon bisher geschätzter Ratgeber, nicht nur in Parteikrisenzeiten. Er gilt als guter Netzwerker und hat den Spagat, Kompromisse mit der ÖVP zu finden, mit denen auch die Parteibasis leben konnte, gut bewältigt. Diese Qualitäten werden Rauch wohl auch auf dem Wiener Parkett zu gute kommen. Erfahrung im Gesundheitsbereich hat Rauch nicht, als eine der kommenden Herausforderungen wird er auch etwa eine Pflege-Reform zimmern müssen.

Eine Spur SPÖ

Ein bisschen zieht mit ihm auch die SPÖ in die Regierung ein. Denn Rauch ist seit einiger Zeit mit der Vorarlberger Landesvorsitzenden Gabriele Sprickler-Falschlunger liiert, vor kurzem heiratete das Paar sogar. Als Ärztin könnte sie ihm den ein oder anderen Rat in der Pandemie-Bekämpfung geben.

Zur Person: Johannes Rauch, geboren am 24. April 1959, ist Vater zweier Töchter und inzwischen Großvater. Im Dezember 2021 heiratete Rauch seine langjährige Freundin Gabriele Sprickler-Falschlunger, die Vorarlberger SPÖ-Vorsitzende. Der diplomierte Sozialarbeiter begann sein Erwerbsleben als Bankkaufmann, war dann in der Jugendarbeit tätig. Ab 1997 führte er die Geschäfte der "Arbeitsinitiative für den Bezirk Feldkirch". Von 1990 bis 1996 war Rauch als Umweltgemeinderat in Rankweil aktiv. Denn als Mitbegründer des "Grünen Forums" in seiner Heimatgemeinde Rankweil im Jahr 1987 war er ein Grüner der ersten Stunde. 1995 kam er in den Landesvorstand der Vorarlberger Grünen, zwei Jahre später wurde er nach einer Stichwahl gegen Grünen-Legende Kaspanaze Simma Vorstandssprecher. Von 2000 bis zum Eintritt in die Regierung am 15. Oktober 2014 saß er im Landtag, ab 2004 war er dort Klubobmann. Seinen Ausgleich findet Rauch beim Lesen, auf Skitouren, beim Laufen und Radfahren.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe