APA/ROLAND SCHLAGER

Rauch erbost über Impfempfehlung: Maulkorb für Experten

01. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) pfiff die Mitglieder des Nationalen Impfgremiums in einem Mail zurück. Er will eine "unabgestimmte Vorgangsweise hinkünftig nicht mehr" tolerieren.

Am 27. Juni sprach sich der Impfexperte Herwig Kollaritsch, Mitglied im Nationalen Impfgremium (NIG), gegenüber "Ö1" dafür aus, dass sich symptomlos Infizierte vier bis sechs Monate nach dem dritten Stich den vierten holen könnten. 

Der Radiobericht wurde nach einer Sitzung des Nationalen Impfgremiums ausgestrahlt - das Ergebnis der Sitzung war, dass das NIG die Empfehlung für den vierten Stich für ab 65-Jährige aussprach. Davor war das nur für Über-80-Jährige empfohlen. Der "Ö1"-Bericht endete mit dem Hinweis, dass für die Empfehlung Kollaritsch' noch eine Entscheidung des Gesundheitsministeriums ausstehen würde. Das reichte dem Gesundheitsminister aber offenbar nicht.

"Das ist absolut unannehmbar"

Wie der "Kurier" berichtete, schickte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) nach dem "Ö1"-Interview ein erbostes Mail an die Mitglieder des Impfgremiums aus. Es liest sich wie ein Maulkorb-Erlass. "Gestern Abend (gemeint war der 27. Juni 2022) wurde via Ö1 von einem Mitglied des NIG ohne Absprache mit mir die kommende Empfehlung zur Impfung kommuniziert", zitierte der "Kurier" aus dem Mail.

"Das ist absolut unannehmbar", fährt der Minister fort und meint ein paar Zeilen weiter: "Ich gehe davon aus, dass damit unmissverständlich klargestellt ist, dass eine derartige unabgestimmte Vorgangsweise von mir hinkünftig nicht mehr toleriert wird."

Das Gesundheitsministerium bestätigte dem "Kurier" die Authentizität des Mails: Das NIG habe "in der Öffentlichkeit zurecht Gewicht. Deshalb war und ist mir eine klare, verständliche und abgestimmte Kommunikation wichtig", teilte der Minister mit. Man habe das mit dem NIG auch schon besprochen und wolle "die Kommunikation zu den Empfehlungen künftig gut abstimmen". 

Konflikte auch beim Quarantäne-Aus

Es war aber nicht der letzte Konflikt zwischen der Regierung und den Corona-Experten. Auch beim Ende der Quarantäne war die Mehrheit von GECKO nicht mit dem Vorhaben der Regierung einverstanden. Dieses sei "mit unkalkulierbaren Risiken verbunden", warnten die Experten. Die "Presse" hatte zudem berichtet, dass von Seiten der Regierung versucht worden sein soll, den entsprechenden GECKO-Bericht abzuändern.

Mehr dazu:

Quelle: Redaktion / koa