Einsatzleiterin verteidigt im U-Ausschuss Polizeiarbeit
Die Einsatzleiterin gab in ihrer einleitenden Stellungnahme an, Mitglied der SPÖ zu sein, was aber keinerlei Einfluss auf ihre berufliche Tätigkeit habe. Die FPÖ, die den U-Ausschuss initiiert hat, geht von einer Einflussnahme der ÖVP auf die Ermittlungen aus. gab in ihrer einleitenden Stellungnahme an, Mitglied der SPÖ zu sein, was aber keinerlei Einfluss auf ihre berufliche Tätigkeit habe. Die FPÖ, die den U-Ausschuss initiiert hat, geht von einer Einflussnahme der ÖVP auf die Ermittlungen aus. Pilnacek war am 20. Oktober 2023 in einem Seitenarm der Donau im niederösterreichischen Rossatz (Bezirk Krems) tot aufgefunden worden.
Sie habe am Fundort keinen Druck auf die Gemeindeärztin ausgeübt und entgegen deren Angaben sei es ihr fern gelegen, eine Obduktion zu verhindern, sagte die Auskunftsperson. Sie habe die Ärztin - ihrer eigenen "Sturheit" geschuldet, wie sie einwarf - zurechtgewiesen: "Sie können gar nichts anordnen, das kann nur die Staatsanwaltschaft." Die Begründung der Ärztin, dass sie nicht ausschließen könne, dass der Tote vergiftet wurde und es sich um Pilnacek handle, sei "dürftig" gewesen, sie habe sie aber zur Kenntnis genommen.
Warum der Tatortleidfaden beim Einsatz nicht genau eingehalten wurde, begründete die Beamtin damit, dass es sich um eine Richtlinie handle, die als Hilfestellung diene, die sie annehme "unter Achtung des gesunden Menschenverstands". Absperrmaßnahmen am Fundort seien aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht notwendig gewesen. Der Zutritt durch Unbefugte sei durch eine am Schranken positionierte Polizeibeamtin verhindert worden.
Keine Antworten zu Veränderungen im Akt
Nicht erklären konnte die Einsatzleiterin, warum im Tatortbericht nicht alle anwesenden Personen am Fundort der Leiche aufgeführt wurden. Ihre Kollegin habe alle Namen aufgeschrieben und diese an das Kriminalamt weitergegeben. Außerdem sei Rossatz ein Dorf und etwa der Baggerfahrer oder der Feuerwehrmann der Polizei bekannt und jederzeit als Zeugen greifbar. Nicht begründen konnte die Polizeibeamtin auch, warum sie fast zwei Jahre später - am 28. September 2025 - laut Logdaten erneut im Akt war und Änderungen vornahm. "Ich kann dazu nichts sagen", so ihre knappe Antwort.
Was genau im Ermittlungsakt verändert wurde, geht aus den vom Innenministerium an den U-Ausschuss gelieferten Logdaten nicht hervor. Die Grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli kündigte daher eine Rüge des U-Ausschusses gegen den Innenminister an. Auch FPÖ, SPÖ und NEOS beschwerten sich am Mittwoch darüber, dass das Innenministerium die Datenlieferung bisher ablehnt. ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger meinte, die Daten sollten dem U-Ausschuss zugänglich gemacht werden, auf eine rechtssichere Umsetzung müsse aber geachtet werden.
Ihr privates und dienstliches Leben sei durch die öffentlichen Vorwürfe "massiv beeinträchtigt", beklagte die Auskunftsperson. Ihr sei unterstellt worden, blöd, faul und kriminell zu sein.
Spuren auf Laptop gelöscht
Vor der Polizistin war ein IT-Techniker im U-Ausschuss zu den von ihm ausgewerteten elektronischen Geräten Pilnaceks befragt worden. Am Laptop sei die Powershell-History - also die Historie von Befehlseingaben - bewusst gelöscht worden, berichtete er. Das sei "eine gängige Methode, um Spuren, die man hinterlassen hätte, zu löschen", so der IT-Experte. Die Analyse habe zudem ergeben, dass USB-Sticks an den nicht durch ein Passwort geschützten Laptop angesteckt worden seien und auf Daten zugegriffen wurde. Welche das waren, habe er sich angesichts der "schieren Masse" nicht merken können. Pilnaceks Laptop war vor Übergabe an die Justiz im Besitz einiger Privatpersonen.
In Bezug auf die Smartwatch bestätigte der Techniker, dass die Uhr in der Nacht vor sowie am Tag des Auffindens des Leichnams über Bluetooth mit anderen Geräten in der Nähe kommuniziert habe. Allerdings seien keine genauen Zeitpunkte erkennbar, sondern nur Zeitintervalle. Die Sicherung der Smartwatch durch die Polizei bezeichnete der Techniker als "einwandfrei". Bei einer ersten Auswertung kam man im Bundeskriminalamt allerdings zum Ergebnis, dass sich auf der Uhr keine relevanten Daten befinden. Auch er habe erst beim zweiten Anlauf Daten gefunden.
Zusammenfassung
- Im U-Ausschuss zur Causa Pilnacek verteidigte die Einsatzleiterin ihre Polizeiarbeit und wies Vorwürfe zurück, sie habe eine Obduktion verhindern oder Druck auf die Gemeindeärztin ausgeübt.
- Ein IT-Techniker berichtete, dass auf Pilnaceks Laptop die Powershell-History gezielt gelöscht wurde und zahlreiche Daten über USB-Sticks abgezogen wurden, wobei das Gerät vor der Übergabe an die Justiz von mehreren Privatpersonen genutzt wurde.
