Israel und Libanon vor direkten Gesprächen
Die USA würden von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, vertreten. Die ersten Gespräche seit Beginn des Iran-Kriegs, der auch den Libanon immer tiefer in den Konflikt hineingezogen hat, könnten in Paris oder auf Zypern stattfinden.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Israel zuvor zu solchen Gesprächen aufgerufen und sich als Gastgeber angeboten. Die libanesische Regierung habe "ihre Bereitschaft signalisiert, direkte Gespräche mit Israel aufzunehmen", schrieb Macron am Samstag im Onlinedienst X. Frankreich sei bereit, solche Gespräche zu unterstützen, "indem es sie in Paris ausrichtet".
Macron hatte nach eigenen Angaben am Freitag mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun sowie mit Regierungschef Nawaf Salam und Parlamentspräsident Nabih Berri telefoniert. "Es muss alles getan werden, um zu verhindern, dass der Libanon ins Chaos stürzt", erklärte der französische Präsident. Die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz müsse sofort ihren Kurs ändern; Israel wiederum müsse seine Pläne für eine großangelegte Offensive im Libanon aufgeben und seine massiven Luftangriffe einstellen.
Türkei warnt vor "neuem Völkermord"
Die Türkei warnte indes vor einem "neuen Völkermord" Israels. "Wir sind offen besorgt, dass (der israelische Ministerpräsident Benjamin) Netanyahu unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Hisbollah auf einen neuen Völkermord zusteuert", sagte der türkische Außenminister Hakan Fidan am Samstag. Die internationale Gemeinschaft müsse "so schnell wie möglich handeln" und Israel Einhalt gebieten.
Die Türkei hat Israel wiederholt vorgeworfen, im Kampf gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen einen "Völkermord" an den Palästinensern zu begehen. Israel weist die Vorwürfe zurück.
Im Zuge des Iran-Krieges ist auch der militärische Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel wieder eskaliert. Die Hisbollah feuerte Raketen auf Israel ab, Israel beschoss Hisbollah-Ziele im Libanon und drohte mit einer Ausweitung des Einsatzes. Am Freitag erklärte Hisbollah-Chef Naim Qassem, die Hisbollah sei auf eine "lange Konfrontation" mit Israel eingestellt. Laut der libanesischen Regierung wurden bei den jüngsten israelischen Militäraktionen mehr als 800 Menschen getötet und mehr als 2000 verletzt.
Zusammenfassung
- Israel und der Libanon werden einem israelischen Zeitungsbericht zufolge voraussichtlich in den kommenden Tagen direkte Gespräche führen. Ron Dermer, ein Vertrauter des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, werde wohl die israelische Delegation anführen, berichtet die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Dermer ist israelischer Minister für strategische Angelegenheiten und war früher Botschafter in den USA.
