APA - Austria Presse Agentur

Hick-Hack um Corona-Cluster in Wien und NÖ

19. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Weitgehend stabile Zahlen, aber ein großer Aufreger: Die Debatte um das Coronavirus wurde am Dienstag von einem Hick-Hack um den Wiener Coronavirus-Cluster um die Post-Verteilzentren Hagenbrunn und Inzersdorf, einem Flüchtlingsheim in Erdberg und einer Leiharbeitsfirma beherrscht. Wiener Ermittler sollen einen Anfangsverdacht wegen Verstößen gegen die Quarantänebestimmungen prüfen.

Weitgehend stabile Zahlen, aber ein großer Aufreger: Die Debatte um das Coronavirus wurde am Dienstag von einem Hick-Hack um den Wiener Coronavirus-Cluster um die Post-Verteilzentren Hagenbrunn und Inzersdorf, einem Flüchtlingsheim in Erdberg und einer Leiharbeitsfirma beherrscht. Wiener Ermittler sollen einen Anfangsverdacht wegen Verstößen gegen die Quarantänebestimmungen prüfen.

Das Wiener Landeskriminalamt ist beauftragt worden, einen Anfangsverdacht zu überprüfen, wonach mehrere Flüchtlinge die Quarantäne-Anordnung ignoriert haben und über die Leiharbeitsfirma trotz amtlichem Bescheid in den Verteilzentren der Post in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) und Inzersdorf gearbeitet haben sollen. Das sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger zur APA. Medienberichten zufolge geht es dabei unter anderem um den Paragrafen 178 StGB - vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) stellte bei der Präsentation der Kriminalitätsentwicklung während des Lockdowns Wien als weißen Fleck auf einer roten Österreich-Karte dar, in dem als einzigen keine "Überwachung von Quarantänemaßnahmen durch die Polizei" stattfindet. Er mache der Stadt Wien neuerlich das Angebot, Contact Tracing mit Hilfe der Polizei durchzuführen, um "rasch Infektionsketten durchzubrechen". Da 60 Prozent der Neuinfektionen in Wien passieren, brauche es "einen Wellenbrecher", damit eine zweite Welle "uns nicht wieder die Normalität nimmt". Die Gefährlichkeit des Virus sei noch nicht vorbei.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) forderte daraufhin einen Ordnungsruf von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ein. Man werde sich diesen Umgang nicht gefallen lassen, so der Stadtchef. Die in den vergangenen Tagen verwendete Terminologie sei aus Wiener Sicht nicht nachvollziehbar. "Wenn die selbst ernannte Flex des Bundeskanzlers davon spricht, er muss Wien vor einem Tsunami bewahren oder er möchte jetzt einen Wellenbrecher vor Wien errichten, frage ich mich: Aufgrund welcher Indizien, aufgrund welcher Zahlen wird eine solche Terminologie verwendet?", zeigte sich Ludwig verärgert.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) versuchte zu vermitteln: Er lädt das Innenministerium zur nächsten gemeinsamen Arbeitssitzung zum Infektions-Cluster Wien/Niederösterreich ein. "Aus meiner Sicht ist die Bekämpfung der Krise weiterhin vielfach wichtiger als Parteipolitik", appellierte Anschober an die Streitparteien, ohne diese konkret zu nennen.

Unterdessen wird das Bundesheer neben dem Einsatz im Logistikzentrum der Post in Hagenbrunn ab Donnerstag auch im Postzentrum Wien-Inzersdorf Dienst versehen. 250 Grundwehrdiener, Berufssoldaten und Zivilbedienstete werden für zwei Wochen den gesamten Betrieb übernehmen, sagte Bundesheer-Sprecher Michael Bauer der APA.

Der Einsatz beginnt Donnerstagfrüh. Zuerst werden Einheiten der ABC-Abwehr das rund 12.000 Quadratmeter große Areal desinfizieren. Ab 14.00 Uhr folgt dann der eigentliche umfassende Arbeitseinsatz im Schichtbetrieb. "Die gesamte Post-Belegschaft des Zentrums ist in Quarantäne", sagte Bauer.

Quelle: Agenturen