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Iran-Krieg

Türkei: NATO zerstörte erneut iranische Rakete über Mittelmeer

Heute, 12:28 · Lesedauer 4 min

Die NATO-Luftabwehr im östlichen Mittelmeer hat nach Angaben der Regierung in Ankara eine zweite ballistische Rakete aus dem Iran abgefangen.

Das Geschoss sei in den türkischen Luftraum eingedrungen, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit. Dies ist bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb einer Woche, bei dem das NATO-Mitglied Ziel eines iranischen Geschosses wurde.

Teile der Munition seien in der südöstlichen Provinz Gaziantep niedergegangen, hieß es weiter. Verletzte habe es nicht gegeben. Das Ministerium warnte jedoch, die Türkei werde ohne Zögern die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Alle Parteien seien aufgefordert, die Warnungen Ankaras zu beachten.

Am Mittwoch vergangener Woche war die Türkei erstmals von den Kampfhandlungen direkt betroffen. NATO-Luftabwehrsysteme zerstörten eine iranische ballistische Rakete, die nach Regierungsangaben auf dem Weg in den türkischen Luftraum gewesen war. Nach dem ersten Vorfall verzichtete die Regierung in Ankara darauf, Konsultationen der NATO zu beantragen.

Reisewarnung für die Südosttürkei 

Unklar ist, welches Ziel die iranische Rakete hatte. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf US-Militärkreise, das Geschoss hätte den NATO-Luftwaffenstützpunkt Incirlik treffen sollen. Die US-Botschaft in der Türkei sprach unterdessen eine Reisewarnung für die Südosttürkei aus.

Türkei: USA nutzen Stützpunkt nicht für Angriffe

Die NATO bestätigte den Zwischenfall. Das Bündnis sei bereit, alle Verbündeten gegen jede Bedrohung zu verteidigen, erklärte Sprecherin Allison Hart auf X.

Die Regierung in Ankara erneuerte ihre Warnung an alle Parteien, insbesondere den Iran, Schritte zu vermeiden, die die regionale Stabilität gefährdeten, wie Kommunikationsdirektor Burhanettin Duran erklärte. Die Türkei betont zudem, dass die USA den Stützpunkt Incirlik nicht für ihre gemeinsamen Luftangriffe mit Israel auf den Iran nutzten. Diese Angriffe hatten die jüngsten Drohnen- und Raketenschläge Teherans ausgelöst. Eine Stellungnahme aus dem Iran lag zunächst nicht vor. Die Regierung in Teheran hatte jedoch mehrfach betont, sich nicht im Krieg mit den Nachbarländern zu befinden und die Türkei nicht explizit ins Visier zu nehmen.

Trotz der Vorfälle plant die Türkei nach eigenen Angaben nicht, Artikel 4 des NATO-Vertrags zu aktivieren. Der Artikel sieht Konsultationen der Verbündeten vor, wenn ein Mitglied seine Sicherheit bedroht sieht. Dies könnte dann theoretisch zum Bündnisfall nach Artikel 5 führen. Die Türkei verfügt zwar über die zweitgrößte Armee innerhalb der NATO und eine wachsende Rüstungsindustrie, besitzt jedoch noch keine flächendeckende eigene Luftabwehr gegen ballistische Raketen.

NATO ging von Vorsatz aus - Iran wies zurück

Die NATO ging im Fall von vergangener Woche davon aus, dass der Iran absichtlich auf das Bündnismitglied Türkei gefeuert hatte. Der iranische Generalstab wies die Vorwürfe zurück. In einer offiziellen Erklärung hieß es, Meldungen über einen Raketenabschuss in Richtung türkisches Territorium seien falsch und würden entschieden zurückgewiesen. Die iranischen Streitkräfte respektierten die Souveränität des Nachbar- und befreundeten Landes Türkei.

Die Türkei verhält sich im Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran eigentlich neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. In der Türkei sind aber auch US-Soldaten stationiert. Der NATO-Luftwaffenstützpunkt im Land ist in Incirlik in der südtürkischen Provinz Adana. Nach US-Angaben sind dort rund 1.500 Militärangehörige stationiert.

Der Stützpunkt gilt als wichtiges Militär-Drehkreuz in der Region. Der Iran greift seit Kriegsbeginn wiederholt Militärstützpunkte in der Region an - etwa in den Golfstaaten.

Video: Iran-Konflikt tritt in neue Phase

Zusammenfassung
  • Die NATO-Luftabwehr im östlichen Mittelmeer hat nach Angaben der Regierung in Ankara eine zweite ballistische Rakete aus dem Iran abgefangen.
  • Das Geschoss sei in den türkischen Luftraum eingedrungen, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit.
  • Dies ist bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb einer Woche, bei dem das NATO-Mitglied Ziel eines iranischen Geschosses wurde.