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Iran: Bis zu zehn Menschen von Sicherheitskräften erschossen

04. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Bei Protesten im Südosten des Iran sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehrere Menschen von Sicherheitskräften getötet worden.

Amnesty International erklärte am Freitag, es habe vermutlich bis zu zehn Tote gegeben, darunter auch Kinder. Zudem gebe es dutzende weitere Verletzte. Die Menschenrechtsorganisation warf den Sicherheitskräften vor, in der Stadt Khasch in der Provinz Sistan-Balutschistan von Dächern aus mit "scharfer Munition" geschossen zu haben.

Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) veröffentlichte ein Video, auf dem zu sehen ist, wie blutüberströmte Menschen weggetragen werden. Sie sprach ebenfalls von mehreren Toten und Verletzten.

Krankenhäuser befüllt

Die Sicherheitskräfte schössen "mit der Absicht zu töten", erklärte die in London ansässige Gruppe Baloch Activists Campaign (BAC). Nach Angaben der NGO wurden "dutzende" Menschen getötet. Die Krankenhäuser seien überfüllt.

Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete, dass mehrere Polizisten von steinewerfenden Demonstranten verletzt worden seien, die einen Polizeiposten in Brand gesetzt hätten.

Wochenlange Proteste

Im Iran gibt es seit mehr als sechs Wochen eine landesweite Protestwelle - die größte seit Jahren. Die Proteste waren im September durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die sogenannte Sittenpolizei ausgelöst worden. Die Sicherheitskräfte gehen mit großer Härte dagegen vor. Dutzende wurden dabei nach Angaben von Aktivisten getötet.

Zuletzt hatten in der Provinz Sistan-Balutschistan Berichte Unruhen entfacht, wonach der Polizeichef der Provinzhauptstadt Sahedan ein 15 Jahre altes Mädchen vergewaltigt haben soll.

Die nahe der Grenze zu Afghanistan und Pakistan gelegene Provinz ist eine der ärmsten Regionen des Landes und Heimat der belutschischen Minderheit. Sie hängt mehrheitlich dem sunnitischen Islam an, während der Iran schiitisch dominiert ist. Menschenrechtsorganisationen beklagen seit langer Zeit eine Diskriminierung der Minderheit durch die schiitische Führung in Teheran.

Quelle: Agenturen / ddj