APA - Austria Presse Agentur

Impfung: EVP-Gesundheitssprecher "ziemlich verärgert" über Kurz

05. März 2021 · Lesedauer 2 min

"Es ist nicht fair, jetzt die EU-Kommission zu kritisieren. Österreich war doch im Lead mit dem Beamten Auer", sagte Peter Liese, Gesundheitssprecher der Europäischen Volkspartei (EVP).

Der Gesundheitssprecher der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, Peter Liese, kann die Kritik von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an der EU-Kommission wegen der Impfstoffbeschaffung nicht nachvollziehen. "Ich bin ziemlich verärgert über meinen EVP-Freund Kurz", sagte der deutsche Politiker laut der deutschen Zeitung "Die Welt" vom Freitag. Kurz habe im vergangenen Herbst die Chance gehabt, den Kurs der EU in der Coronakrise maßgeblich mitzugestalten.

Co-Chef aus Österreich

Außerdem habe Österreich mit Clemens Martin Auer als Co-Chef der sogenannten EU-Steuerungsgruppe einen wichtigen Mann an zentraler Stelle des Brüsseler Entscheidungsprozesses sitzen. "Es ist nicht fair, jetzt die EU-Kommission zu kritisieren. Österreich war doch im Lead mit dem Beamten Auer", sagte Liese dem Bericht zufolge.

Israel

Kurz war gemeinsam mit seiner dänischen Amtskollegin Mette Frederiksen am Donnerstag nach Israel gereist, um die künftige Zusammenarbeit im Impfbereich festzuzurren. Der Bundeskanzler begründet das Streben nach einer Impfstoffkooperation damit, dass die von der Europäischen Union getätigten Bestellungen nicht so schnell wie erwartet liefen.

Kritik an der Reise äußerte am Freitag die SPÖ-Forschungssprecherin Sonja Hammerschmid. "Während in Österreich die Versäumnisse eines professionellen Krisenmanagements für jedermann sichtbar sind, flog der Bundeskanzler ins Ausland und begab sich dort auf eine Inszenierungstour", sagte sie laut einer Aussendung. Verärgert zeigte sich Hammerschmid über die Ankündigung der drei Länder, mit 50 Millionen Euro die Pandemie beenden zu wollen. "Wenn man hier nicht mindestens eine Null dranhängt, kann man die Summe im Bereich der Pharmaproduktion und der klinischen Forschung keine Sekunde lang ernst nehmen", so Hammerschmid.

Kritik auch in Dänemark

Auch die dänische Ministerpräsidentin wurde in ihrer Heimat mit Kritik an ihrem Vorgehen konfrontiert. Der Abgeordnete Søren Søndergaard von der linken Rot-Grün-Allianz, die Frederiksens sozialdemokratische Minderheitsregierung unterstützt, sagte laut der britischen Zeitung "Guardian": "Es wäre ein historischer Fehler für Dänemark, mit Israel zusammenzuarbeiten, solange Israel seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Stattdessen sollten wir von Israel verlangen, den Palästinensern die Impfstoffe zur Verfügung zu stellen, auf die sie einen berechtigten Anspruch haben".

Die Jerusalemer Regierung hat jüngst eine Impfkampagne für in Israel arbeitende Palästinenser angekündigt. Sie argumentiert gleichzeitig, dass die palästinensische Autonomiebehörde nicht um Hilfe bei der Impfung gebeten habe.

Quelle: Agenturen / moe