Impfgremium folgt EMA: Impfprogramm wird fortgesetzt

07. Apr 2021 · Lesedauer 4 min

In einer Pressekonferenz bestätigte EMA einen möglichen Zusammenhang zwischen dem AstraZeneca-Impfstoff und seltenen Thrombosen. Dennoch empfiehlt die EMA eine uneingeschränkte Anwendung des Vakzins. Der Nutzen von AstraZeneca sei höher zu bewerten als die Risiken. Auch das nationale Impfgremium folgt dieser Empfehlung.

Der Sicherheitsausschuss der EMA (PRAC) kam am Mittwoch zum Schluss, dass ungewöhnliche Blutgerinnsel als sehr seltene Nebenwirkungen von Vaxzevria (Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca) auftreten können. Dennoch bestätigte die EMA, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis insgesamt positiv bleibt. Daher kann der Impfstoff laut der EMA uneingeschränkt angewendet werden. Experten hatten zuvor Meldungen von Thrombosen nach einer Impfung eingehend untersucht. Diese Analysen würden fortgesetzt, wie die EMA mitteilte.

Thrombosen betrafen vor allem Frauen unter 60 Jahren binnen zwei Wochen nach der Impfung. Spezifische Risikofaktoren seien nach den bisherigen Erkenntnissen nicht bestätigt worden. Das AstraZeneca-Mittel sei ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie, sagte Cooke. Die gemeldeten Blutgerinnsel seien ein sehr seltener Nebeneffekt, der in den Beipackzetteln des Medikaments vermerkt werden solle. Dies solle auch in die Entscheidung über den weiteren Einsatz in einzelnen Ländern einfließen.

Auf diese Symptome soll geachtet werden

Geimpfte sollten laut der EMA sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sie die folgenden Symptome haben:

  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Schwellung im Bein
  • Anhaltende Bauchschmerzen
  • Neurologische Symptome einschließlich schwerer und anhaltender Kopfschmerzen
  • Verschwommener Sicht
  • Winzige Blutflecken unter der Haut über die Injektionsstelle hinaus.

NIG folgt EMA-Empfehlung

Die EU-Gesundheitsminister beraten am Abend in einer außerordentlichen Videokonferenz über die möglichen Risiken im Zusammenhang mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Österreich wird nach Auskunft des Gesundheitsministeriums daran teilnehmen. Zusätzlich tagte am Mittwoch das nationale Impfgremium (NIG). Das Nationale Impfgremium folgte bei der Einschätzung von AstraZeneca der Empfehlung der EMA. Das österreichische Impfprogramm wird fortgesetzt. Das wurde Mittwochabend bekannt.

"Derzeit soll das Impfprogramm in Österreich unter Berücksichtigung der epidemiologischen Situation und der verfügbaren Impfstoffe unverändert weitergeführt werden", hieß es in einer Stellungnahme des NIG Mittwochabend. Denn es sei in allen Altersgruppen und bei Personen jeden Geschlechts ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt worden. Bezüglich der Blutgerinnsel "konnten keine spezifischen Risikofaktoren identifiziert werden, welche die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten derartiger Ereignisse erhöhen". "Die Ereignisse wurden mittlerweile gut charakterisiert und Kriterien zur frühzeitigen Diagnose und Therapie wurden erstellt", so das Impfgremium in Bezugnahme auf die Europäischen Arzneimittelagentur EMA, die vorliegenden Daten aus der EU und Großbritannien zu thromboembolischen Ereignissen/Blutgerinnungsstörungen nach COVID-19-Impfungen erneut evaluiert hatte. Donnerstagvormittag finden dann seitens des Gesundheitsministeriums  Beratungen mit den Gesundheitsreferenten der Bundesländer zur weiteren Vorgehensweise mit dem Impfstoff statt.

Großbritannien ändert Impfprogramm

Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada, haben den Einsatz von AstraZeneca bereits eingeschränkt. Andere Länder wie Dänemark setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus. In Österreich hatte das Nationale Impfgremium vergangene Woche die Weiterführung des Impfprogramms mit AstraZeneca empfohlen. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat sich bisher für Impfungen mit AstraZeneca ausgesprochen.

Die britische Impfkommission JCVI (Joint Committee on Vaccination and Immunisation) wollte sich nicht festlegen, was die Ursache der Blutgerinnsel ist. Sie passte jedoch ihre Empfehlung für Menschen unter 30 Jahren an, die nun ein anderes Vakzin verabreicht bekommen sollen, hieß es am Mittwoch.

In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA bisher 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat aufgetreten. Dabei kam es zu 19 Todesfällen. Junge Menschen sind dabei überproportional stark betroffen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission zwar noch nicht nachgewiesen worden. Aber angesichts des geringeren Risikos für jüngere Menschen an Covid-19 zu sterben, habe man diese Abwägung getroffen, hieß es.

Herzog über AstraZeneca-Thrombosefälle: "Die sind kein Todesurteil"

PULS 24 Anchorwoman Alina Marzi spricht mit Pharmig-Generalsekretär über den Entscheid der EMA, AstraZeneca trotz Nebenwirkungen weiter uneingeschränkt zuzulassen. 

Vorfälle laut WHO selten

Ein hochrangiger Vertreter der EMA hatte bereits am Dienstag eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin und dem Auftreten von Blutgerinnseln bei manchen Geimpften gezogen. Es sei "klar", dass es einen "Zusammenhang" gibt, sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, in einem am Dienstag veröffentlichten Zeitungsinterview. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn gaben die EMA-Experten am Mittwoch mit ungefähr eins je 100.000 an. Es hänge sehr davon ab, wie gut die Meldesysteme seien. In Österreich hatte das Nationale Impfgremium vergangene Woche die Weiterführung des Impfprogramms mit AstraZeneca empfohlen. AstraZeneca hat immer wieder erklärt, Studien hätten keine erhöhte Thrombose-Gefahr gezeigt.

Die WHO hatte am Abend darauf hingewiesen, dass die Vorfälle angesichts von inzwischen weltweit 200 Millionen mit AstraZeneca geimpften Menschen sehr selten seien. Demgegenüber seien inzwischen 2,6 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. "Die Verabreichung von Impfstoffen basiert auf einer Kosten-Nutzen-Analyse", so die WHO-Experten. Das Komitee werde nächste Woche erneut beraten.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea