APA - Austria Presse Agentur

Ibiza-Video: Wahlfälschung, Machtphantasien & Orbanisierung

01. Sept 2020 · Lesedauer 4 min

Der "Kurier" hatte Einblick in das Ibiza-Video und liefert neue Details und Zitate. Demnach sprach Strache mit Gudenus vorab über die "Kronen Zeitung".

Während der Ibiza-Untersuchungsausschuss weiter auf das Ibiza-Video wartet, hat mit dem "Kurier" ein weiteres Medium Einblick in die sieben Stunden Bewegtbild und liefert eine Zusammenfassung des Abends. Dass an diesem alkoholgeschwängerten Abend – "Immer wieder schenkt Ibiza-Detektiv Julian H. den beiden FP-Politikern Alkohol nach. Wodka und Champagner wird kredenzt (…)" – be- und entlastende Sager von Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus getätigt werden, ist seit gut einem Jahr bekannt und wird auch vom "Kurier" bestätigt.

"Kronen Zeitung"

Über das "Hauptthema" (Gudenus) hatte Strache mit Gudenus laut dem "Kurier" bereits vorab gesprochen. Demnach sagte Gudenus: "Ich habe dir eh gesagt, warum wir hier sind, Kronen Zeitung ist das Hauptthema." Dieses soll drei Stunden lang besprochen worden sein – ohne Ergebnis. "Ob sie die Krone kauft oder nicht, ist uns wurscht. Es geht ums Geschäft, Du kannst aus der Krone allein ein Geschäft machen", sagt Strache. Laut "Kurier" hofft Strache, dass er sonst nichts anbieten muss.

Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Zitate zeigen dafür Straches Wunsch, dass man – nach einem erfolgreichen Kauf der "Kronen Zeitung"-  ihm bzw. der Partei entgegenkommt. Damals sagte er: "Schau, wenn wirklich vorher die Zeitung übernimmt...Wenn's wirklich vorher, um diese Wahl herum, zwei, drei Wochen vorher...die Chance gibt, über diese Zeitung uns zu pushen...brauch ma gor ned reden...dann passiert ein Effekt, den die anderen ja nicht kriegen...also schau, wenn das Medium zwei, drei Wochen vor der Wahl, dieses Medium, auf einmal uns pusht...dann hast Du Recht...dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34“ Prozent.

Oder: "Sobald sie die Kronen Zeitung übernimmt, sobald das der Fall ist, müssen wir ganz offen reden, da müssen wir uns zusammenhocken. Da gibt es bei uns in der Krone: zack, zack, zack. Drei, vier Leute, die müssen wir pushen. Drei, vier Leute, die müssen abserviert werden. Und wir holen gleich mal fünf neue herein, die wir aufbauen."

Weitere teils unbekannte Zitate im Überblick

Antisemitismus

Moishe F., ein Holocaustleugner, bezeichnet Strache als "ein Lustiger, ein Lieber. Ich mag ihn ja, aber seine Aussagen teilweise … hu, ist der schräg" und die "Sozialdemokraten haben natürlich sehr stark die Logen, aber auch, ich sag, jüdische Industrielle wie den Schlaff." Aber auch: "Bei Antisemitismus hört sich bei mir alles auf."

Viktor Orban

Strache: "Ich will so eine Rolle wie Orban." Gudenus erwidert laut "Kurier": "Der Orban rockt das Land." Strache: "Wir wollen eine Medienlandschaft ähnlich wie der Orban aufbauen."

Der gute Osten, der böse Westen

Strache: "Wir wollen in die Visegrád-Gruppe hinein und wollen uns sehr stark Richtung Osten öffnen und Gegengewicht zu dieser dekadenten westlichen EU sein (…)  Uns ist bewusst, Europa wird vor der Rettung und dem Untergang stehen (…)  Der Rest Europas wird islamisiert, das ist demografiepolitisch in fünf Jahrzehnten durch, die einzige Rettung wird es geben im Osten. Und das wird eine Spaltung werden."

Strache: "Im Osten Europas sind die Menschen normal. Wir haben die Dekadenz im Westen."

Bundespräsidentschaftswahl

Gudenus: "Sie wurden gefälscht, die Wahlen, sehr stark."

Norbert Hofer

"Ich habe meine Nachfolger aufgebaut, Norbert Hofer oder Gudenus (…) Mit einem starken Norbert Hofer an meiner Seite lohnt es sich nicht, mich zu liquidieren (…) solange ich nicht tot bin, habe ich die nächsten 20 Jahre noch das Sagen." (Norbert Hofer wusste laut einem Zitat von Strache nichts vom Treffen auf Ibiza, Anm.)

Keine Drogen

Übrigens schreibt der "Kurier" auch: "In der Finca wurden keine illegalen Drogen offen konsumiert."

FPÖ und NEOS verärgert

Christian Hafenecker, Fraktionsführer der FPÖ im Ibiza-U-Auschuss, zeigte sich verärgert, dass der "Kurier", nicht aber der Untersuchungsausschuss das Ibiza-Video zur Gänze gesehen hat. Hafenecker äußerte in einer Aussendung die Vermutung, dass Behörden den Medien wichtige Beweismittel zusteckten - unter "wohlwollender Beobachtung" des Ausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP).

"Sobotka hat jetzt sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das gesamte Material in den U-Ausschuss zu holen", richtete Hafenecker den Ausschuss-Vorsitzenden aus. Gleichzeitig sei zu überlegen, auch "Kurier"-Verantwortliche im U-Ausschuss zu befragen, zumal auch "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk Auskunftsperson gewesen sei.

Empört zeigte sich auch NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper über den "neusten Akt der leidigen Posse". Es sei eine "Verhöhnung des Parlaments", dass Medien zum wiederholten Male Videomaterial vor dem Untersuchungsausschuss erhielten und einsehen könnten. "Es kann nicht sein, dass wir als Parlament in unserer Arbeit auf die 'Auswertung' durch Medien angewiesen sind", meinte Krisper. Sie will - wie auch die FPÖ - "unser Recht beim Verfassungsgerichtshof einklagen".
 

Der Artikel wurde um 20.30 Uhr um die Reaktionen der FPÖ und NEOS ergänzt.

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Quelle: Redaktion / moe