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Humanitäre Lage in Nordost-Syrien "katastrophal"

25. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Wegen der Kämpfe im Nordosten Syriens zwischen kurdisch angeführten Milizen sowie Regierungstruppen droht sich die humanitäre Lage dort weiter zu verschlechtern. Die Zustände in dem Gebiet seien "katastrophal", teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mit. Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt Kobane nahe der türkischen Grenze werde von Kämpfern, die mit der Regierung in Damaskus verbündet sind, seit mehr als einer Woche belagert.

Die Lieferung von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sei fast komplett gestoppt worden. Auch kurdische Aktivisten sprachen von einer Belagerung der Stadt. Die Übergangsregierung in Damaskus äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

In Kobane haben sich viele Familien versammelt, die durch Kämpfe in der Nähe vertrieben wurden. Nach Angaben von Aktivisten ist ein Konvoi mit Hilfsgütern auf dem Weg dorthin. Schon am Samstag startete ein Konvoi mit Arznei- und Lebensmitteln aus Aleppo in Richtung Kobane, wie das Staatsfernsehen berichtete. Organisiert wurde dieser 24 Lkw zählende Konvoi dem TV-Sender zufolge von den Behörden in Aleppo und UNO-Hilfsorganisationen.

Die syrische Übergangsregierung brachte im Nordosten des Landes große Gebiete unter ihre Kontrolle und drängte die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zurück. Aktuell gilt eine Waffenruhe, die am Samstag auslief, nach Angaben beider Seiten nach internationaler Vermittlung aber um 15 Tage verlängert wurde.

Die SDF sollen nun einen Plan vorlegen, wie die Institutionen in der kurdischen Selbstverwaltung in die staatliche Ordnung übergehen. Am Sonntag schien die verlängerte Waffenruhe zunächst zu halten. Die Lage war trotz vereinzelter Kämpfe insgesamt ruhig.

Ziel der Verlängerung ist auch, inhaftierte Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Gefängnissen in dem Gebiet in den benachbarten Irak zu verlegen. Die Regierungstruppen haben die Kontrolle einiger der Gefängnisse und auch Lager übernommen, in denen Angehörige von IS-Kämpfern untergebracht sind. Wegen der Kämpfe gibt es Sorge, dass der IS das Chaos nutzen und seine Kämpfer und deren Angehörige befreien könnte. Einige Inhaftierte sollen bereits entkommen sein.

Internationale Rojava-Karawane macht Station in Wien

Unterdessen erreichte die internationale Solidaritätskarawane für Rojava Wien. Gemeinsam mit lokalen Unterstützern wurde am Heldenplatz gegen die Belagerung Kobanes durch islamistische Milizen unter türkischer Kontrolle protestiert und Europa tödliches Schweigen vorgeworfen. Ziel der "Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit", welche mehr als hundert Aktivisten und Aktivistinnen aus Europa und Lateinamerika vereint, ist die Erreichung Kobanes.

In den kommenden Tagen setzt der Konvoi laut Aussendung von Sonntagabend seine Reise über Serbien, Griechenland und die Türkei fort - mit dem Ziel, die syrisch-türkische Grenze zu erreichen und die Aufmerksamkeit auf die Eskalation in der Region weiter zu erhöhen. Rojava ist der kurdisch verwaltete Nordosten Syriens.

Zusammenfassung
  • Ein Hilfskonvoi mit 24 Lkw, organisiert von Behörden in Aleppo und UNO-Hilfsorganisationen, ist auf dem Weg nach Kobane, während viele Familien dort Schutz suchen, nachdem sie aus umliegenden Gebieten vertrieben wurden.