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Holocaust-Gedenken mit Yad-Vashem-Chef und Freeman in Wien

27. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktags hat am Dienstag in der UNO-City in Wien eine Gedenkveranstaltung stattgefunden. "Gedenken ist kein Selbstzweck. Gedenken ist eine operative Verpflichtung", betonte der Vorsitzende der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Daniel Dayan. Die Zeitzeugin Erika Freeman rief die anwesenden Gäste auf, sich von verschlossenen Türen nicht abhalten zu lassen.

Der Holocaust-Gedenktag wurde von der UNO-Generalversammlung 2005 ausgerufen. Er erinnert an die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau am 27. Jänner 1945. Rund 1,1 Million Menschen wurden zwischen 1940 und 1945 in dem Konzentrationslager getötet, etwa eine Million davon waren Juden. Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht daher wie kein anderes KZ für den Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime unter Diktator Adolf Hitler.

Der israelische Botschafter David Roet betonte: "Wir haben als Gesellschaft die Verpflichtung zu erinnern und die Lektion des Holocaust zu verstehen, sodass sie als Warnungen dienen gegen blinden Hass und Rassismus." Die Situation sei jedoch "fragil". Angesichts der polarisierten Stimmung zweifle er, dass heute in Europa eine Resolution zum Holocaust-Gedenktag erneut verabschiedet würde.

"Der Holocaust begann nicht in Auschwitz. Er begann lange zuvor mit der stetigen Aushöhlung von Normen, mit entmenschlichenden Worten, mit dem Schweigen, das ihn ermöglichte, und mit der Normalisierung des Antisemitismus. Er begann damit, dass Juden gekennzeichnet, isoliert und beschuldigt wurden, während zu viele wegschauten und zu wenige ihre Stimme erhoben", sagte Roet, selbst Nachfahre eines Holocaust-Überlebenden. 81 Jahre später sei diese Lektion keine theoretische. "Sie ist schmerzlich aktuell. Überall auf der Welt und in unseren Gesellschaften erleben wir einen alarmierenden Anstieg des Antisemitismus." Man sehe ihn auch "in Institutionen, die es besser wissen sollten, darunter die Vereinten Nationen selbst, eine Institution, die als Reaktion auf die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust geschaffen wurde".

Der Generaldirektor des Wiener UNO-Büros (UNOV), John Brandolino, kritisierte, dass Verzerrung und Leugnung des Holocaust auf dem Vormarsch seien. "Wir müssen Stellung beziehen, um die Opfer der Vergangenheit zu ehren und weitere Gräueltaten zu verhindern. Wir müssen Hass und Ungerechtigkeit überall dort anprangern, wo sie auftreten. Wir müssen das Recht jedes Menschen verteidigen, frei von Angst, in Würde und Frieden zu leben. Das ist das Fundament der Vereinten Nationen."

Botschafterin Liko: Österreich der Verantwortung bewusst

Österreich sei sich der Verantwortung bewusst, betonte die Politische Direktorin des Außenministeriums, Hannah Liko. "Das Gedenken an die Opfer des Holocaust verpflichtet uns auch dazu, klar und unmissverständlich für eine Welt einzutreten, in der Antisemitismus, Rassismus und die Zerstörung der Menschenwürde keinen Platz haben." Österreich, als langjähriges Mitglied der International Holocaust Remembrance Alliance, habe vor fünf Jahren mit der Verabschiedung der ersten nationalen Strategie gegen Antisemitismus einen wichtigen Schritt getan. "Dennoch zeigt die Zunahme antisemitischer Angriffe und Vorfälle seit dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 deutlich, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", so die frühere österreichische Botschafterin in Israel.

Die 1927 in Wien geborene Psychoanalytikerin Erika Freeman berichtet von Erlebnissen, etwa von 1938, als auf "allen Häusern Nazi-Flaggen" waren. Ihr Vater war im KZ Theresienstadt, ihre Mutter die einzige Hebräisch-Lehrerin in Wien. Als sie als Kind in die USA floh und von den NS-Gräueltaten in ihrem Heimatland erzählte, habe ihr niemand geglaubt, berichtete sie. Freeman rief die Anwesenden auf, ihren Traum zu leben und an Wunder zu glauben. "Ein Nein ist keine Antwort. Auch eine Tür ist nicht geschlossen. Wenn sie zu ist, nimm einen Schlüssel oder geh durchs Fenster", sagte sie. Ihre Worte fanden großen Applaus.

"Viele Jahrzehnte lang trugen die Überlebenden die Hauptlast der Erinnerungsarbeit", sagte Dayan. "Sehr bald wird diese heilige Pflicht allein auf unseren Schultern ruhen. Wir sind jetzt die Zeugen der Zeugen." Das Gedenken verlange, dass die Erinnerung nicht verblasse, sondern mit Entschlossenheit weitergeführt werde. In der UNO-City wird aktuell eine Ausstellung von Yad Vashem mit dem Titel "The Flashes of Memory" (in etwa: Lichtblitze der Erinnerung) gezeigt.

Zusammenfassung
  • Österreichs Politische Direktorin Hannah Liko verwies auf die nationale Strategie gegen Antisemitismus und stellte fest, dass die Zahl antisemitischer Vorfälle seit dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 deutlich gestiegen ist.