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Schützenhöfer: "Starker Mann" Nehammer statt "Leuchtrakete" Kurz

04. Dez 2021 · Lesedauer 4 min

Die Meinung der Landeshauptleute zum designierten neuen Kanzler Nehammer und seinem Team geht je nach Parteifärbung stark auseinander. Viel Lob kommt von der ÖVP, auch wenn immer wieder Kritik im Nachhinein an Kurz laut wird. Die SPÖ hingegen ist sich uneins. Doskozil verlangt vom Burgenland aus Neuwahlen, Wiens Michael Ludwig spricht sich dagegen aus.

Den Umbau der Regierung gab als erster nicht Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), der neuer Kanzler werden soll , sondern der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bekannt. Man sei es in der ÖVP inzwischen gewöhnt, "dass man offenbar von einem Moment auf den anderen von himmelhoch jauchzend auf zu Tode betrübt umschalten kann", sagte der Steirische Landeschef gegenüber der "Krone" Er könne sich "an einen gewissen Django" (Reinhold Mitterlehner, Anm.), aber auch an die "Leuchtrakete Kurz" erinnern. 

Der nächste Kanzler, Karl Nehammer, sei jedenfalls ein starker Mann an der Spitze, ist sich der Landeshauptmann sicher. Er werde die Partei stabilisieren und die ÖVP werde unter ihm den ersten Platz verteidigen.

Mikl-Leitner: Fehler von Kurz

Als mächtigste ÖVP-Landesorganisation gilt Niederösterreich mit seiner Landeshauptfrau Johann Mikl-Leitner. Alle Teil-Organisationen seien an der Neu-Aufstellung der ÖVP beteiligt gewesen, schildert sie im "Club 3 von Kurier, Kronen Zeitung und profil". "Selbstverständlich bleibt" Nehammer, ist sich die Landeschefin des Durchhaltevermögens von Alexander Schallenbergs Nachfolger sicher. "Wenn es um eine Neu-Aufstellung des Teams geht, dann stehen alle Minister zur Disposition. Und Karl Nehammer hat sich sein Team so ausgesucht."

Kurz selbst habe über seinen Rücktritt entschieden, er habe sich "gejagt und verletzt gefühlt". Sie selbst habe keinen Druck ausgeübt, gleichwohl sie Fehler von Kurz eingesteht.  

Mit Nehammer, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Innenminister Gerhard Karner kommen drei der neuen Spitzenkräfte aus Niederösterreich. Das erklärt sich Mikl-Leitern nicht mit ihrer Macht, sondern mit den "tüchtigen Kräften", die ihre Landesorganisation hervorbringe. Es komme in der neuen Regierung nicht darauf an, woher jemand stamme. 

Stelzer: Oberösterreichische Handschrift der Regierung

Sehr wohl erfreut über die starke regionale Vertretung in der Regierung ist Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer. Er freute sich, dass das Regierungsteam mit Susanne Raab und Claudia Plakolm "eine starke oberösterreichische Handschrift" trage. Und mit August Wöginger als Klubobmann bleibe ein "erfahrener und erfolgreicher Repräsentant aus Oberösterreich an wesentlichen Schaltstellen der Bundespolitik". Nehammer sei "mit seiner großen Regierungserfahrung bestens als Bundeskanzler geeignet".

Haslauer lobt Kurz zum Abschied

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer fand zum Abschied für Sebastian Kurz noch einmal lobende Worte. Er habe die ÖVP modernisiert, die Volkspartei habe ihm wesentliche Wahlerfolge zu verdanken. 

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) betonte, dass die ÖVP beim Regierungsumbau geschlossen reagiert habe. Nehammer sei jemand, "der die Regierung und die Partei gut kennt". Bei den Personalfragen sei es inmitten der Pandemie darum gegangen, "rasch, vernünftig und klug" zu entscheiden. Aus Vorarlberger Sicht sei die Bestellung von Magnus Brunner zum Finanzminister "sehr erfreulich", Brunner habe als Staatssekretär einen guten Job gemacht. "Vorarlberger Handschrift im Finanzressort ist gut", so Wallner.

Platter: Nehammer "der Richtige"

Für Tirols Landeshauptmann Günther Platter ist Nehammer "der Richtige", die Republik und die ÖVP "in ruhige Fahrwasser zu führen". Platter machte gleichzeitig aber "keinen Hehl" daraus, dass hinter Österreich und der Partei "herausfordernde Zeiten liegen". Tirol bleibe mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck in der Regierung vertreten, zeigte sich der Tiroler Landeschef zufrieden.

Nehammer beschrieb er als "erfahrenen und geradlinigen Politiker", der für eine "konsequente Linie im Bereich der Leistungsbereitschaft und der Sicherheit" stehe. Platter bedankte sich zudem erneut bei Sebastian Kurz und Alexander Schallenberg. 

SPÖ: Doskozil für, Ludwig gegen Neuwahlen

Für eine Neuwahl im Frühjahr plädierte Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, dem Ambitionen auf die Spitzenkandidatur der SPÖ nachgesagt werden. Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig sprach sich in einem Interview mit dem "profil" dagegen aus. Sollte es dazu kommen, stehe er hinter SPÖ-Chefin Rendi-Wagner als Spitzenkandidatin. Er selbst stehe jedenfalls nicht zur Verfügung. Ludwig: "Habe versprochen, bis zumindest 2025 Wiener Bürgermeister zu bleiben. Mein Wort hat Gewicht."

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam