Strache über Kurz: "Ich glaube, dass da viele schon die Messer wetzen"

11. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Eine hochkarätige Runde aus Polit-Größen attestierte Alexander Schallenberg mit seiner Antrittsrede als Kanzler ein Eigentor. Ob Sebastian Kurz ein Comeback versuchen werde, hänge von Umfragewerten, der "alten" ÖVP und dem ab, was an Vorwürfen noch komme. Laut Heinz-Christian Strache sei das "einiges".

Über den Rücktritt von Altbundeskanzler Sebastian Kurz und die Angelobung seines Nachfolgers Alexander Schallenberg diskutierten bei einem Pro und Contra Spezial auf PULS 24 am Montag bei Infochefin Corinna Milborn der ehemalige Vizekanzler und Parteiobmann der FPÖ Heinz-Christian Strache, der ehemalige grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger, die ehemalige ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat und der ehemalige SPÖ-Klubobmann Josef Cap. 

Cap: "Der ist nicht zurückgetreten"

Josef Cap zeigte sich überrascht, dass Sebastian Kurz als ÖVP-Klubobmann weitermacht: "Für ihn war das Parlament nie ein besonderes Anliegen. Dass er das Parlament schätzt, muss eine Neuentdeckung für ihn sein."

Den Rückzug kauft Cap dem Ex-Kanzler nicht ab. "Der ist nicht zurückgetreten", seine Freunde seien noch in der Regierung und Nachfolger Alexander Schallenberg habe ihn bei seiner ersten Rede "freigesprochen". Schallenberg habe sich nach Meinung Caps damit ein "massives Eigentor" geschossen.

Schallenbergs Antrittsrede als Bundeskanzler

Öllinger: Kurz will mit "Opferrolle" punkten

Das glaubt auch Karl Öllinger. "Mit der Aussage über den untadeligen Sebastian Kurz, der unschuldig ist" habe Schallenberg sehr viel Kredit verspielt. Der Grüne ist sich sicher, dass Kurz auf baldige Neuwahlen spekuliert, solange er "mit seiner Opferrolle" noch Chancen auf eine Rückkehr habe. Das funktioniere aber nur, wenn Neuwahlen bald anstehen. Er hofft, "dass die Regierung nicht sofort in den Wahlkampfmodus geht". Erst müsste noch gearbeitet werden. 

Ob Kurz im Falle einer Neuwahl wieder antritt, hänge von den Umfragen ab: "Wenn er keine Chance hat, wird er nicht kandidieren."

Rauch-Kallat: Regierung "gut eingearbeitet"

Maria Rauch-Kallat verteidigt Schallenberg. Er habe gesagt, dass sich die Vorwürfe gegen Kurz entkräften werden. Das sei auch bei ihr der Fall gewesen. Ein Verfahren der WKStA (wegen des Ankaufs von Grippe-Masken und einer Zahlung an ihren Ehemann Alfons Mensdorff-Pouilly, Anm.) sei eingestellt worden. Rauch-Kallat ist dafür, die Justiz arbeiten zu lassen, glaubt aber auch, dass das noch lange dauern wird. Die ÖVP schätzt sie als eine Gruppe von Individualisten ein. Solange Kurz erfolgreich war, sei es ihm gelungen, sie zu einen. 

Kurz sei von selbst klug genug gewesen zu sehen, dass es "nicht mehr ging" und hätte sich dann zurückgezogen. Der Regierung unter Schallenberg gibt sie eine Chance, weil das Team der Minister "sowohl bei Grünen als auch bei Türkisen eingearbeitet" sei. 

Strache: Auf Ibiza mit vielem Recht behalten

Da ist  Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache anderer Meinung. So oft wie derzeit habe er das Wort Unschuldsvermutung noch nie gehört. Das habe ihm vor zwei Jahren gefehlt. Natürlich sei Kurz mit dem gleichen Maß zu messen, "das er damals bei mir angelegt hat".

Er glaubt, "das ist noch lange nicht gegessen". Das sage er auch, weil er Akteneinsicht habe. Zu dem, was noch komme sei "Ibiza im Gegensatz eine kleine Insel". Auf Ibiza habe in betrunkenem Zustand vieles gesagt, mit dem er Recht behalten habe. 

Neuwahlen 2022: Wegen Kurz wetzen viele schon die Messer

Er rechnet bei Kurz mit einem Rückzug auf Raten. Die "alte" ÖVP sei erstarkt und spätestens nächstes Jahr, wenn Wahlen in Niederösterreich sind, würde Mikl-Leitner den Druck erhöhen. "Ich glaube, dass da viele schon die Messer wetzen." Strache glaubt, dass bis Weihnachten Ruhe einkehrt, "aber nächstes Jahr werden wir an einer Wahl nicht vorbeikommen".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam