Hacker zu kostenpflichtigen Corona-Tests: "Verstehe den Nutzen der Diskussion nicht"

05. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) sprach sich im Interview auf PULS 24 erneut gegen kostenpflichtige Tests aus. Ein erneuter Lockdown würde viel mehr Kosten verursachen. Er kann sich aber weitere Lockerungen für Geimpfte vorstellen.

Die ÖVP-regierten Bundesländer, aber auch der Präsident der Ärztekammer hatten es gefordert. Die rot-regierten Bundesländer sind strikt dagegen. Es geht um die Debatte, ob PCR-Tests, die Ungeimpften den Zutritt zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ermöglichen, kostenpflichtig werden sollen. Dadurch soll die Impfbereitschaft erhöht werden. 

"Das ist die völlig falsche Debatte zum falschen Zeitpunkt", sagt dazu Peter Hacker im PULS-24-Interview. Er verstehe den Nutzen der Diskussion nicht und habe "kein Verständnis" dafür, schließlich seien die Tests neben der Impfung eine Monitoring-Möglichkeit. "Die Epidemie ist nicht vorbei", betont Hacker. Nur durch PCR-Tests würden Virus-Varianten entdeckt werden können. 

Warum sollte die Allgemeinheit zahlen?

Hacker argumentiert, dass auch ein Skifahrer, der keinen Helm trägt, im Spital behandelt werde. "Wir haben ein solidarisches Gesundheitssystem, wo wir das Risiko des Einzelnen gemeinsam tragen", so der Gesundheitsstadtrat - selbst, wenn es genügend Impfstoff für alle gebe.

Was sich Hacker aber vorstellen könnte, ist, dass die Antigentests, die Apotheken anbieten, kostenpflichtig werden. Diese würden in Wien "keine große Rolle" spielen, da man "ein strengeres Regime" habe und man die PCR-Tests mit der Aktion Alles gurgelt "groß ausgerollt" habe. Da sieht Hacker in anderen Bundesländern "Luft nach oben".

"Beruhigend" sei für ihn aber, dass die Entscheidung, ob Tests etwas kosten, nicht bei den Ländern liege, sondern "beim Bundesminister", wie der Sozialdemokrat betont. Und dieser habe "ein Epidemiegesetz umzusetzen". 

Wie das Impftempo erhöhen?

Derzeit geht das Impftempo zurück. Hacker führt das auch auf die Urlaubszeit zurück und geht davon aus, dass das Tempo ab Mitte August wieder steigen werde. Zusätzlich wolle man in Wien "zu den Menschen kommen" und bei Veranstaltungen, in Bussen und sogar Booten impfen. Zusätzlich brauche es aber Anreize, so der 58-Jährige. 

Er stimmt mit seinem Salzburger Amtskollegen Christian Stöckl überein, der im PULS-24-Interview sagte, dass er Geimpfte von Maßnahmen wie der Maskenpflicht befreien will. "Es soll Vorteile geben", sagt auch Hacker. Für Ungeimpfte solle es gleichzeitig "schwierigere Rahmenbedingungen" geben. Er begrüßt etwa auch, dass geimpfte Lehrer von der Maskenpflicht befreit oder im Gesundheitsbereich nur Geimpfte angestellt werden.

Kommt die vierte Welle?

Der amtsführende Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport sagt, dass Österreich vor einer vierten Welle stehen würde. Diese werde aber leichter zu managen sein, weil es mehr Tests und mehr Geimpfte gebe. Es gelte vor allem, einen Lockdown zu verhindern. Die Tests würden in einem Monat so hohe Kosten verursachen wie ein Lockdown in zehn Stunden. 

Beruhigend sei, dass die 80- bis 90-Jährigen als Corona-Erkrankte in Spitälern kaum mehr vorkommen würden, weil die meisten geimpft sind. Rund 1.700 Personen sind derzeit in Wien in Quarantäne, über 50 Prozent davon seien unter 30 Jahre alt - also in jener Altersgruppe, in der die wenigsten geimpft sind. "Die Impfung wirkt", so Hackers Resümee. 

Quelle: Redaktion / koa