Getreide-Frachter aus Ukraine: Moskau warnt vor Scheitern des Abkommens

02. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Das erste mit ukrainischem Getreide beladene Frachtschiff seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist zur Inspektion in der Türkei eingetroffen. Beim bereits jetzt verspäteten Stopp in Istanbul wird der Frachter von Russland, der Ukraine, der Türkei und den Vereinten Nationen inspiziert. Moskau warnte unterdessen erneut vor einem Scheitern des Getreide-Abkommens.

Die mit rund 26.000 Tonnen Mais aus der Ukraine beladene "Razoni" hatte am Montag als erstes Schiff im Rahmen des von der Ukraine und Russland unterzeichneten Getreide-Abkommens den ukrainischen Hafen Odessa verlassen. Am frühen Dienstagabend wurde die "Razoni" vor der Küste der Türkei gesichtet und soll gegen 21 Uhr lokaler Zeit Istanbul erreichen.

Gemeinsame Inspektion von drei Staaten und Vereinten Nationen

Der Frachter "Razoni" sei mit rund 26.000 Tonnen Mais aus der Ukraine am Schwarzmeer-Eingang der durch Istanbul verlaufenden Meerenge Bosporus angekommen und habe an der zugewiesenen Stelle geankert, teilte das türkische Verteidigungsministerium am Dienstag auf Twitter mit. Zuerst wurde mit dem Schiff bereits am Nachmittag gerechnet, dann hieß es, es käme in der Nacht an.

Vertreter der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinten Nationen sollen demnach Mittwoch früh an Bord gehen und das Schiff inspizieren. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass keine Waffen geladen sind. Anschließend soll der Frachter den Bosporus passieren. Das unter der Flagge des westafrikanischen Staates Sierra Leone fahrende Schiff steuert den Libanon an.

Millionen Tonnen Getreide für den Weltmarkt

Mit den Lieferungen aus der Ukraine sollen Millionen Tonnen Getreide wieder für den Weltmarkt verfügbar werden. Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren der Welt. Für das Land geht es um Milliardeneinnahmen.

Die Kriegsgegner Ukraine und Russland hatten am 22. Juli unter Vermittlung der Vereinten Nationen jeweils getrennt mit der Türkei ein Abkommen in Istanbul unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen. Damit wurde auch die Einrichtung des Koordinationszentrums in Istanbul beschlossen.

Russland warnt vor Scheitern

Russland warnte unterdessen erneut vor einem möglichen Scheitern des Getreide-Abkommens. Die Vereinbarung zur Getreideausfuhr habe einen Paketcharakter, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. "Darum warnen wir vor Versuchen, den zweiten Teil des Pakets zu verzögern oder nicht zu erfüllen", sagte sie mit Blick auf eine in Aussicht gestellte Lockerung einiger Sanktionen gegen Russland.

Russland hat stets betont, es erwarte im Gegenzug, dass seine Getreide-, Lebensmittel- und Düngerexporte ebenfalls wieder in vollem Umfang aufgenommen werden können. Das Land beklagt massive Beeinträchtigungen des Exports im Zuge der vom Westen verhängten Sanktionen. Die wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine erlassenen Strafmaßnahmen betreffen zwar nicht direkt den Getreideexport, wirken sich nach Angaben Moskaus aber indirekt aus.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa