Hacker kontert Rauch: "Wir haben nicht darüber gesprochen"

25. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) betont, dass Wien oft andere Corona-Regeln als der Bund treffen müsse, da es sich um eine Millionenstadt handle - er sei für die gesundheitliche Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich.

Am Dienstag wurde vom Bund die Maskenpflicht gelockert. Sie gilt nur noch im Gesundheitsbereich, die Impfpflicht bleibt weiter ausgesetzt. Dass auch in den Öffis keine Maske mehr getragen werden muss, überraschte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Er kritisierte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) im  Ö1-"Journal um 8" am Mittwochmorgen: Es sei "etwas Erstaunliches in diesem Land, dass es nicht und nicht möglich ist, zum Telefonhörer zu greifen und sich miteinander abzusprechen".

"Nicht darüber gesprochen"

Rauch bezeichnete diese Aussage Hackers am Mittwochabend bei "Milborn" auf PULS 24 als "Foul". Man habe mehrmals mit miteinander telefoniert, dabei sei auch über die Abschaffung der Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesprochen worden. 

Das will wiederum Hacker im Newsroom LIVE mit Rauchs Replik nicht gelten lassen: "Ich kann nur sagen, was ich wahrgenommen habe. Wir haben nicht darüber gesprochen", bekräftigt der Gesundheitslandesrat bei Anchor Thomas Mohr. Es sei eine lange Liste von Punkten besprochen worden, eine Besprechung über die Abschaffung der Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln habe aber nicht stattgefunden. 

"Bin für die gesundheitliche Sicherheit verantwortlich"

Der Stadtpolitiker betont außerdem, dass Wien nicht immer grundsätzlich gegen die Corona-Linie des Bundes sei. Bei den letzten Entscheidungen des Gesundheitsministers sei Wien "mitgegangen". Wien sei eine Millionenstadt, man müsse daher oft anders als in anderen Bundesländern entscheiden. "Ich bin verantwortlich für die gesundheitliche Sicherheit der Bevölkerung einer Zwei-Millionen-Stadt und diese Verantwortung nehme ich wahr", so Hacker. Ähnliche Maßnahmen wie in Wien gebe es auch in anderen Großstädten wie Berlin, Madrid, Rom oder Lissabon.

Die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sei vor allem auch aus diesem Grund wichtig. "Wir haben in Wien eine Massenverkehrsmittel-Situation wo jeden Tag 1,6 Millionen Fahrgäste im öffentlichen Verkehr sind. Das kann ich nicht auf die leichte Schulter nehmen", betont der Gesundheitsstadtrat.

 

Schüler sind "vulnerable Gruppe"

Außerdem sei das Abschaffen der verpflichtenden PCR-Tests an Schulen nicht besprochen worden, weder mit dem Gesundheitsminister noch mit anderen Mitgliedern der Bundesregierung. "Es ist keine drei Wochen her, dass wir erst eine Vereinbarung geschlossen haben über das Testen in den Schulen und jetzt ist plötzlich das Testen zu Ende." Bei den Schülern handle es sich um eine vulnerable Gruppe, da das die Personengruppe sei, die am schlechtesten geimpft sei, betont Hacker die Wichtigkeit der Tests.

Nächste Welle im Juli befürchtet

Die Pandemie sei nicht vorbei. Wegen der neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 sei es besonders unvorteilhaft, Corona-Maßnahmen zu lockern. "Wir wissen, dass eine Ba4, Ba5-Variante kommt. Wir wissen, dass diese Ba4, Ba5 an sich im Juni die führende Rolle in der Pandemie übernehmen wird. Wir wissen aus anderen Ländern, dass Ba4, Ba5 uns noch größere Probleme bereiten könnte. Wir wissen, dass das dazu führen könnte, dass im Juli noch eine Welle auf uns zukommt. Das wissen wir alles. Und anstatt dass wir sagen, wir schärfen jetzt unsere Aufmerksamkeitssysteme, wir schärfen jetzt unsere Präventionssysteme, sagen wir die Pandemie ist vorbei", kritisiert Hacker.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj